Freude ist die Reaktion auf etwas Angenehmes, ein Glückszustand. Sie äußert sich mal als Lächeln oder als Lachen, so mancher vergießt Freudentränen. Für Friedrich Schiller war sie gar ein „schöner Götterfunken“, den Beethoven vertonte und mit der „Ode an die Freude“ den Inbegriff des musikalischen Freudenschreis schuf.

Doch was gab den Ausschlag, eine Stadt auf einem Hochplateau im Nordschwarzwald nach der Freude zu benennen und nicht, wie ursprünglich geplant, nach ihrem Initiator, Friedrich I. von Württemberg, also „Friedrichstadt“?

Video: Freudenstadt

Stand der Herzog vielleicht dereinst hier und ließ seinen Blick über die Ränder der neu gegründeten Siedlung hinaus auf die schwarz bewaldeten Hügel schweifen? Und sagte er sich angesichts von so viel Erhabenheit vielleicht: „Streiche Friedrich, Freude passt viel besser. Und das F können wir trotzdem im Wappen lassen.“? – Wahrscheinlich nicht, es ist aber nicht überliefert, warum Freudenstadt so heißt, wie es heißt.

Sicher ist nur: Urkundlich wurde „die Stadt ob Christophstal“ als „Freudenstadt“ erstmals im Mai 1601 erwähnt, dem Tag der Grundsteinlegung der Stadtkirche, zwei Jahre nach der Stadtgründung, die mit dem ersten Abstecken der geplanten Straßen 1599 verbunden ist.

Planspiele und „wenig guots“

Freudenstadt ist keine natürlich gewachsene, sondern eine Planstadt, was man etwas abfällig auch „Retortenstadt“ nennt. Herzog Friedrich hielt die Gegend wegen der Erzgewinnung für strategisch sehr wichtig und wollte deshalb hier eine neue Residenzstadt errichten. Hofbaumeister Heinrich Schickhardt erhielt dazu den Auftrag, obwohl er vom geplanten Bauplatz wenig begeistert war, als er „den ersten augenshein ein genommen“ hatte, dabei „aber wenig guots gefunden“.

Deshalb teilte er seinem Herrn mit, es sei „nit Rhatsam ein Stat dahen zu bauwen“, wie Schickhardt rückblickend in seinem Buch „Inventarium 1630–1632“ schrieb.

Stadtkern Freudenstatt von den Arkaden aus gesehen

MEIN LÄNDLE/Jean-Claude Winkler

Blick auf den heutigen Kern der Stadt, der nach dem Zweiten Weltkrieg fast original wieder aufgebaut wurde.

Weil das dem Herzog aber ziemlich egal war, setzte sich Schickhardt trotzdem ans Reißbrett und versuchte, nach der Devise „quadratisch, praktisch, gut“ der künftigen Residenz gleich mehrere Schokoladenseiten zu verpassen: Der städtische Grundriss selbst war ein Quadrat, dessen Mittelpunkt bildete der ebenfalls quadratische Marktplatz, um den sich die Häuser in drei pa­rallelen Reihen formierten, später wurden fünf daraus. Im finalen Entwurf drehte er das Marktplatz-Quadrat um 45 Grad, fertig war das Meisterwerk der Symmetrie.

Angeblich soll Schickhardt dabei vom berühmten Renaissance-­Künstler und Mathematiker Albrecht ­Dürer (1471–1528) inspiriert gewesen sein. So entstanden ein Kaufhaus, die Kirche, das Rathaus und die ersten Giebel-Fachwerkhäuser, schon damals mit den typischen Arkaden. Jetzt fehlten nur noch die Bewohner. Die lockte man mit einer Ausschreibung und versprach günstige Bauplätze und Felder. Mit Erfolg, nach kurzer Zeit hatte die Stadt gut 3000 Einwohner und war somit für damalige Verhältnisse eine Großstadt – zum Vergleich: Berlin zählte damals 6000 Seelen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Eigentlich war der Marktplatz so groß angelegt, weil dort die herzogliche Burg Platz finden sollte. Sie wurde aber nie gebaut, weil der Herzog wenige Jahre später starb. Eine „erschröckliche ­Brunst“ offenbarte 1632 die Schwäche der reihenförmigen Anordnung: Als im Gasthaus Zum Güldenen Barben ein Feuer ausbrach, griff es wie im Domino­effekt auf die nächsten Häuser über. Danach verödeten die Pest, meh­rere Miss­ernten und der Dreißigjährige Krieg die Stadt weiter. Zum Ende der 1630er-Jahre zählte sie nicht einmal mehr 50 Einwohner. Mit Steuererleichterungen, billigen Bauplätzen und Gratis-Bauholz gelang der zweite Anlauf, sie zum Leben zu erwecken.

Aus Freudenstadt sollte zudem eine Festung werden, weshalb der Bau einer massiven Stadtmauer anstand. Aber als der Bauherr, Eberhard III., im Jahr 1674 starb und sein Nachfolger Wilhelm Ludwig das Bollwerk für nutzlos erachtete, wurde der Bau gestoppt – die Steine der Mauer nutzten die Bewohner als Baumaterial für die eignen Häuser. Daher ist heute von der Festung nur noch wenig zu sehen. Reste gibt es hinter der Friedenskirche, nahe dem Bahnhof, und beim ehemaligen Finanzamt stehen auch noch zwei Pfeiler des ehemaligen Loßburger Tors.

Arkaden am Freudenstädter Marktplatz

MEIN LÄNDLE/Jea- Claude Winkler

Die berühmten Arkaden rund um den Freudenstädter Marktplatz sind ­praktisch: Beim Schaufensterbummel bleibt man auch bei Regen trocken.

Weil das dem Herzog aber ziemlich egal war, setzte sich Schickhardt trotzdem ans Reißbrett und versuchte, nach der Devise „quadratisch, praktisch, gut“ der künftigen Residenz gleich mehrere Schokoladenseiten zu verpassen: Der städtische Grundriss selbst war ein Quadrat, dessen Mittelpunkt bildete der ebenfalls quadratische Marktplatz, um den sich die Häuser in drei pa­rallelen Reihen formierten, später wurden fünf daraus. Im finalen Entwurf drehte er das Marktplatz-Quadrat um 45 Grad, fertig war das Meisterwerk der Symmetrie. Angeblich soll Schickhardt dabei vom berühmten Renaissance-­Künstler und Mathematiker Albrecht ­Dürer (1471–1528) inspiriert gewesen sein.

So entstanden ein Kaufhaus, die Kirche, das Rathaus und die ersten Giebel-Fachwerkhäuser, schon damals mit den typischen Arkaden. Jetzt fehlten nur noch die Bewohner. Die lockte man mit einer Ausschreibung und versprach günstige Bauplätze und Felder. Mit Erfolg, nach kurzer Zeit hatte die Stadt gut 3000 Einwohner und war somit für damalige Verhältnisse eine Großstadt – zum Vergleich: Berlin zählte damals 6000 Seelen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Eigentlich war der Marktplatz so groß angelegt, weil dort die herzogliche Burg Platz finden sollte. Sie wurde aber nie gebaut, weil der Herzog wenige Jahre später starb. Eine „erschröckliche ­Brunst“ offenbarte 1632 die Schwäche der reihenförmigen Anordnung: Als im Gasthaus Zum Güldenen Barben ein Feuer ausbrach, griff es wie im Domino­effekt auf die nächsten Häuser über. Danach verödeten die Pest, meh­rere Miss­ernten und der Dreißigjährige Krieg die Stadt weiter. Zum Ende der 1630er-Jahre zählte sie nicht einmal mehr 50 Einwohner. Mit Steuererleichterungen, billigen Bauplätzen und Gratis-Bauholz gelang der zweite Anlauf, sie zum Leben zu erwecken.

Aus Freudenstadt sollte zudem eine Festung werden, weshalb der Bau einer massiven Stadtmauer anstand. Aber als der Bauherr, Eberhard III., im Jahr 1674 starb und sein Nachfolger Wilhelm Ludwig das Bollwerk für nutzlos erachtete, wurde der Bau gestoppt – die Steine der Mauer nutzten die Bewohner als Baumaterial für die eignen Häuser. Daher ist heute von der Festung nur noch wenig zu sehen. Reste gibt es hinter der Friedenskirche, nahe dem Bahnhof, und beim ehemaligen Finanzamt stehen auch noch zwei Pfeiler des ehemaligen Loßburger Tors.

„Das Wunder von Freudenstadt“

Über 300 Jahre blieb die ursprüngliche Mitte Freudenstadts erhalten. Fast hätte sie auch den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden, bis wenige Wochen vor Kriegsende am 16. April 1945 ein französischer Bombenangriff die Innenstadt dem Erdboden gleichmachte. Es folgte, was man später „das Wunder von Freudenstadt“ nannte: Nach dem Vorschlag des späteren Stadtbaumeisters Ludwig Schweizer, der am großen Marktplatz und an den „in ganz Deutschland einzigartigen Arkaden“ festhielt und dennoch die neuen stadtplanerischen Anforderungen wie den Straßenbau berücksichtigte, wurde die Stadt mit vereinten Kräften und Unterstützung der Bewohner in nur sehr kurzer Zeit wieder aufgebaut. Mit der Einweihung des Rathauses war der Wiederaufbau 1954, knapp zehn Jahre nach Kriegsende, bereits so gut wie abgeschlossen.

Marktplatz Freudenstadt, der größte Marktplatz Deutschlands

MEIN LÄNDLE/Jean-Claude Winkler

Viel Grün auf dem größten Marktplatz Deutschlands mit der L-förmigen Stadtkirche, einer Winkelkirche, von der es deutschlandweit nur eine weitere gibt.

So gibt es ihn heute noch, den Mittelpunkt und das Wahrzeichen der Stadt: den Marktplatz, der mit seinen 219 mal 216 Metern wirklich fast exakt qua­dra­tisch ist und mit seinen 4,7 Hektar als der größte Marktplatz Deutschlands gilt. Ringsumher stehen die typischen Giebelhäuser, die alt aussehen, obwohl sie noch relativ jung sind, mit ihren Bogengängen, in denen Geschäfte und Cafés florieren.

Auch heute umgeben den Marktplatz wie damals die fünf Zeilen und bewahren damit die symmetrische Anordnung der Innenstadt. Einzig die 45-Grad-Ausrichtung des inneren Quadrats wurde zurückgedreht, so laufen die Straßen heute parallel – so wie in Schickhardts ersten Entwürfen. Die quadratische Anordnung erahnt man beim Flanieren durch die Stadt, noch deutlicher wird sie bei der Inspektion aus der Vogelperspektive, beim Studium des Stadtplans oder auch beim Blick von einer der Aussichtsplattformen des apricotfarbenen Rathausturms auf der Nordseite des Platzes, der mit seinem auffälligen Kugeldach das Stadtbild prägt.

Wintersport und ­Sommerfrische

Genau mittig hat hier der Wiederaufbau sein Denkmal mit Namen „Venus“ erhalten, das in Anspielung auf dessen Finanzierung im Volksmund auch „Hypothekenvenus“ genannt wird. Was den Krieg übrigens als Einziges unbeschadet überstanden hat, sind die drei Zierbrunnen, die bis heute am Marktplatz plätschern. Im Stadthaus, ebenfalls zentral gelegen, befinden sich das Heimatmuseum und die Stadtbücherei. Für erfrischende Momente und Kinderspaß an warmen Tagen sorgen die gigantischen Wasserspiele mit 50 abwechselnd aktiven Fontänen.

Tipp: Das EXPERIMENTA Muesum in Freudenstadt

An der südlichen Ecke steht die L-förmige evangelische Stadtkirche mit den noch heute „Herrenschiff“ und „Damenschiff“ benannten Flügeln, was daran erinnert, dass hier im 19. Jahrhundert die Geschlechter strikt getrennt voneinander und ohne direkten Blickkontakt beim Gottesdienst saßen. Der Pfarrer konnte als Einziger in beide Schiffe blicken. In ganz Deutschland gibt es nur eine weitere solche Winkelkirche, nämlich im thüringischen Ruhla.

Noch ein Ausflugstipp: Panorama-Bad Freudenstadt

Innenstadt von Freudenstadt

MEIN LÄNDLE/Jean-Claude Winkler

Durch die parallele Anordnung sind die Straßen in der Innenstadt kerzengerade. Im Hintergrund der Rathausturm, der eine tolle Aussicht bietet.

Das zentrale Cityquadrat bleibt der Dreh- und Angelpunkt. Kaum ein Marktplatz dürfte so direkt ans Verkehrsnetz angeschlossen sein. Die als Schwarzwaldhochstraße bezeichnete Bundesstraße 500 sowie die vereint verlaufenden Bundesstraßen 28 und 462 führen buchstäblich mitten durch. Für die B 294 hat man in den 1980er-Jahren eine Umgehung gebaut. Reisebusse haben direkt hier ihre Busparkplätze.

Traditionell ist Freudenstadt von Besuchern sehr gut frequentiert und ein beliebtes Ziel für Touristen, die auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut hierherkommen. Bahnhof und Busbahnhof liegen nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt, hier halten viele Regionalzüge mit Direktverbindung, unter anderem in die Landeshauptstadt, und die S-Bahn nach Karlsruhe. Außerdem gilt Freudenstadt als zentraler Verteilerknoten für den Busverkehr im Schwarzwald; 40 Buslinien treffen sich hier. Stadt und Region bieten viel Attraktives für Besucher: Kneippen zum Beispiel. In dem anerkannten Heilkurort Freudenstadt kann man sich bestens erholen und entspannen, unter anderem auf Wander-, Rad- oder Reitwegen. Selbst als Wintersport­ort lässt sich Freudenstadt genießen.

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Ihr höchster Punkt liegt auf immerhin 968 Metern. Zahlreiche gespurte Loipen und sogar ein Skilift warten im Ortsteil Kniebis auf Wintergäste. Die vor allem im Verkehrsfunk oft erwähnte Alexanderschanze bietet jedoch nicht etwa ein Skisprung-Spektakel. Es handelt sich um eine Festungsanlage an einer Passhöhe, über die früher schon eine Römerstraße führte – und heute die B 28.

Weihnachtsmarkt und Fußballfieber

Neben allerlei Festen und Veranstaltungen bietet der Marktplatz ein tolles Ambiente für den zehntägigen Weihnachtsmarkt mit seinen romantischen Buden. Das gilt auch für das Stadtfest im Sommer, dem Rummel mit Fahrgeschäften und Feuerwerk. Hier wird außerdem immer das Schwarzwald-Musikfestival eröffnet, zum Fasnetsumzug kommen zahlreiche Hästräge und der „ZAEN-Kongress“, eine Veranstaltung zu Naturheilverfahren, lockt regelmäßig Ärzte und Homöopathen aus nah und fern.

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Hart an der Grenze liegt Freudenstadt sprachlich gesehen. Hier schwätzt man gerade noch so schwäbisch, im Norden, Westen und auch Süden ist die Region aber vom alemannischen Sprachraum umgeben. Gut 23 000 Menschen leben aktuell im Stadtgebiet, der Anteil junger Menschen erhöht sich dabei nach und nach, denn Freudenstadt ist seit 2020 Hochschulstandort: Als Ableger der Universität Stuttgart kann man nun im „Campus Schwarzwald“ studieren.

Apropos Bildung. Sie wird nur selten in Verbindung mit Fußball erwähnt. Umso bemerkenswerter ist daher der Blick auf die beiden berühmtesten Schüler der Stadt: Der internationale Star-Trainer Jürgen Klopp hat hier an der Eduard-­Spranger-Schule sein Abitur gemacht, und der frühere Nationalstürmer Kevin Kurányi absolvierte seine Schulbildung ab 1997 hier an der Kepler-Hauptschule. Ob den beiden ihre Schulzeit als besondere Freude in Erinnerung geblieben ist, ist nicht bekannt.

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