Gerade in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie zeigte sich für jeden, wie wichtig die regionale Lebensmittelproduktion ist. Die baden-württembergischen Landwirtinnen und Landwirte, aber auch das Ernährungshandwerk sowie unzählige Betriebe der Ernährungswirtschaft wie Genossenschaften trugen einen wesentlichen Beitrag dazu bei, dass die Lebensmittelversorgung gewährleistet werden konnte.

Auch die Reichenau-Gemüse eG mit ihren rund 170 Mitgliedern auf der Insel Reichenau und den Gärtnersiedlungen in Singen/Beuren, Aach und Mühlingen „ackern“ täglich für unser leibliches Wohl und frische, hochwertige Lebensmittel.

Video: Wir für euch – Gemüse Reichenau

Mit rund 16.000 Tonnen Frischgemüse im Jahr, davon über einem Drittel in Bio-Qualität, versorgen die Gemüseerzeuger der Insel Reichenau und der Gärtnersiedlungen die Menschen in der Region mit hochwertigen sicheren Gemüseprodukten.

Nach der ersten Hauptkultur - den Salaten, startet man mit dem Fruchtgemüse, vor allem mit Paprika, Gurken und ab Ende Mai/Anfang Juni mit größeren Mengen Tomaten. Darüber hinaus hält die Genossenschaft ein Sortiment mit über 70 verschiedenen Gemüsesorten, davon ca. 30 Artikel in Bio-Qualität für die Menschen bereit. Zu finden gibt es das Reichenauer Gemüse im Lebensmittelfachhandel, Naturkostfachhandel und auf Wochenmärkten.

Der Gemüseanbau ist auf der Reichenau seit Jahrhunderten verwurzelt. Bereits im Mittelalter entstand im Kloster ein Kräutergarten zur Selbstversorgung der Mönche, der als Ursprung des Gemüsebaus auf der Insel gilt.

Video: Klostergarten und Gemüseanbau: Die Insel Reichenau

Die Reichenau-Gemüse eG ist in Sachen Bio eine der führenden Erzeugerorganisationen in Deutschland

In der heute bekannten Form besteht der Gemüsebau auf der Insel Reichenau seit über 100 Jahren und auf dem Festland, im schönen Hegau, sind die Reichenauer Gärtner bereits seit 10 Jahren in den Gärtnersiedlungen aktiv. Auf der Gemüseinsel werden ca. 80 ha Freilandfläche und 40 ha Gewächshäuser bewirtschaftet. Auf dem Festland sind es ca. 18 ha Freilandfläche und 14 ha Gewächshäuser.

Aktuell hat die Erzeugergenossenschaft rund 60 Mitgliedsbetriebe, alles Familienbetriebe, die von Generation zu Generation weitergeführt werden und so eine lange Tradition, verbunden mit hoher gärtnerischer Kompetenz, haben. Sie haben sich zum Zweck der Vermarktung in einer eigenen Genossenschaft, der Reichenau-Gemüse eG, organisiert.

Neben der umweltfreundlichen integrierten Produktion im Boden oder in Topfkulturen spielt der ökologische Anbau, kurz Bio-Anbau genannt, eine sehr wichtige Rolle. Kurze Transportwege und eine optimale Vermarktung garantieren frische, regionale Produkte in den Verkaufsregalen – und das schmeckt man!

Video: Reichenau-Gemüse eG – Der Film (24 Min.)

Bio-Anbau von der Reichenau

Gemüse von der Insel Reichenau – das steht schon seit Jahrzehnten für eine naturnahe Erzeugung von Gemüse. Grundlage ist der integriert kontrollierte Anbau. Hierunter fällt auch eine bedarfsgerechte Düngung, basierend auf aktuellen Analyseergebnissen von Bodenproben, der Einsatz von Nutzinsekten gegen Schädlinge oder beispielsweise die Verwendung von besonders widerstandsfähigem Saatgut bzw. Sorten. Die Reichenau-Gemüse eG und die Gärtner haben den Trend nach frischem regionalem Bio-Gemüse erkannt und weitere Schritte hin zu einem noch ökologischeren Anbau beschritten.

So einfach von heute auf morgen auf Bio-Anbau umzustellen, ist nicht möglich. Erst nach einer zweijährigen Umstellungszeit sind die Flächen anerkannt und die erzeugten Gemüseprodukte dürfen als Reichenauer Bio-Gemüse vermarktet werden. Darüber hinaus sind die Anforderungen der Bio-Anbauverbände, Bioland und Naturland an den Anbau sehr streng und liegen über dem EU Biolabel.

Video: Bioanbau - Reichenau-Gemüse eG

Laut dem deutschen Bio-Spitzenverband, Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft, kurz BÖLW liegt der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Deutschland bei 8,2 %, Tendenz steigend. In der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und im Koalitionsvertrag ist das Ziel festgeschrieben, 20 % der landwirtschaftlichen Flächen bis zum Jahr 2030 ökologisch zu bewirtschaften. Vor diesem Hintergrund stellt der Reichenauer Wert mit einem Drittel, einen absoluten Spitzenwert dar. 2020 lag der Bio-Anteil der Erzeugnisse der Insel Reichenau bei 40%, 2021 wurde er auf 50% erhöht.

Von den 30 Bio-Produkten machen die Bio-Gurken und die Bio-Tomaten in verschiedenen Ausprägungen den Löwenanteil aus. Danach kommen Bio-Kräuter und Bio-Radieschen. Der Schwerpunkt des Bio-Anbaus liegt in den Gärtnersiedlungen auf dem Festland im Hegau, nahe der Gemüseinsel. Die Erzeugung von Bio-Kräutern findet hingegen ausschließlich auf der Gemüseinsel statt.  

Die Gärtnersiedlung im Hegau ist die größte Gewächshausanlage in Baden-Württemberg. 2017 wurde dort das größte und modernste Bio-Gewächshaus Deutschlands eingeweiht.

Video: Reichenauer Gärtnersiedlung

Nachhaltige Verpackungen für Gemüse vom Bodensee

16.000 Tonnen Frischgemüse werden pro Jahr erzeugt und vermarktet, davon mittlerweile fast bereits 40 Prozent in Bio-Qualität – das will alles gut und möglichst umweltschonend verpackt werden.

Die Medien sind voll davon und es gibt derzeit fast kein Thema das Verbraucher, Hersteller, Handel und die Politik mehr beschäftigt als die Frage „Wie schaffen wir es, weniger Plastikmüll zu produzieren?“. Eine riesige Herausforderung an die gesamte Gesellschaft.

Das war auch die Zielsetzung auf der Insel Reichenau. Für einen Großteil der losen Gemüseprodukte werden sowieso schon umweltfreundliche klappbare Mehrwegsteigen eingesetzt. Aber zusätzlich mussten für kleinere Einheiten, z. B. für Tomaten, Einwegschalen produziert werden. Die Anforderung des Lebensmittelhandels wurde durch die Genossenschaft bis Sommer 2019 in der Form von Vollpappschalen (85 % aus Altpapier) und einer Kunststofffolie  gelöst.

Obwohl schon bereits bei dieser Form der Kleinverpackung ein großer Teil recycelfähige Pappe war, hat der Kunststoffanteil gestört. Gemeinsam mit dem Schalenlieferanten und einem Tüftler von der schwäbischen Alb wurde nach einer praktikablen Lösung gesucht, auf den restlichen Kunststoff zu verzichten und dennoch die Ware sichtbar zu lassen sowie optimal für den Transport zu schützen. Herausgekommen ist eine Verpackungsmaschine, bei der vollständig auf die Kunststofffolie verzichtet wird und dennoch alle Anforderungen an Schutz, Sichtbarkeit und Deklaration erhalten bleiben. Diese wurde im Sommer 2019 in Betrieb genommen.

Video: #wirgebenunserbestes: Gurken und Tomaten von der Insel Reichenau (April 2020)

Wie hat sich die Corona-Krise auf die Erzeuger der Insel Reichenau ausgewirkt?

Die Corona-Pandemie brachte auch für den systemrelevanten Versorger ReichenauGemüse eG einige Herausforderungen mit sich. Nachdem der Einreisestopp für Erntehelfer aus dem EU-Ausland kurz vor dem Start in die deutsche Frischgemüse-Saison 2020 erfolgt war, prägten die umfassenden Anstrengungen zur Pandemieprävention das komplette Anbaujahr bei der Reichenau-Gemüse eG. Dies machte sich nicht nur bei der Genossenschaft, sondern auch bei den einzelnen 60 Mitgliedsbetrieben durch einen überproportional hohen Anstieg der Personal- und Produktionskosten bemerkbar und sorgte für einen hohen Kostendruck.

Die Schließungen der Gastronomie und Hotellerie und in Folge der Rückgang im Großhandel, der auf die Belieferung der Gastronomie spezialisiert ist, brachten für die Reichenau-Gemüse eG einen Umsatzeinbruch mit sich, der glücklicherweise durch gestiegene Umsätze im Bereich Einzelhandel und Wochenmärkte kompensiert werden konnte.

Trotz fehlender Erntehelfer, temporärer Grenzschließungen und Lockdown-bedingter Versorgungsengpässe konnte die Erzeugerorganisation, die aus 60 Mitgliedsbetrieben und 80 Mitarbeitern der zentralen Vermarktungseinrichtung auf der Insel Reichenau besteht, Kunden und Partner im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) durchgängig mit saisonalen Frischeprodukten von der Insel und den Gärtnersiedlungen im Hegau versorgen.

Video 21 Tomatensorten auf der Reichenau

Neue Wertschätzung für nachhaltig erzeugtes regionales Frischgemüse

Eine Entwicklung während der Corona-Pandemie jedoch sieht Johannes Bliestle, Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse eG, mit großer Freude: „Der neue Trend zum Kochen am eigenen Herd führt dazu, dass sehr viele Verbraucher die Zusammenhänge zwischen der Nähe des nachhaltigen Anbaus, einer exzellenten Lieferlogistik über wenige Stunden und topfrische Gemüse-Spezialitäten, sehr oft in Bio-Qualität, entlang des Saisonkalenders neu für sich entdecken und wertschätzen!“

Das touristisch bekannte Bodenseegebiet ist die Wiege einer in Europa einzigartigen Gemüseinsel. Die idealen klimatischen Bedingungen, die humusreichen, fruchtbaren Böden, das Engagement und die Qualifikation der Gemüsegärtner sowie die moderne genossenschaftliche Vermarktung führen zum Ruf der Reichenau als Gemüseinsel.