Das neue GEG stellt Hausbesitzer vor viele Fragen. Muss die Heizung raus? Wenn ja, wann? Wenn nicht, was gilt? Und wie ist das mit dem kommunalen Wärmeplan? Fragen über Fragen, auf die Stefan Menrath eingeht.
Der Vorsitzende des Fachverbandes Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg sagt: "Abwarten ist keine gute Lösung! Wenn die Heizung saniert werden soll, stehen smarte Lösungen bereit, die das zukünftige GEG erfüllen."
Heizungstausch: Fazit vorweg
Die Heizung der Zukunft wird mit erneuerbarer Energie betrieben. Fossile Energieträger wie Erdgas oder Heizöl müssen bis spätestens 2044 ersetzt werden. Baden-Württemberg strebt sogar schon 2040 das Ende des fossilen Zeitalters an.
Wer jetzt zum Beispiel eine Wärmepumpe, eine Holzheizung, eine Hybridanlage einbaut oder sein Gebäude an ein Wärmenetz anschließt, ist auf der sicheren Seite. Dazu stellt der Staat umfangreiche Fördermittel bereit. (Diese können sich kurzfristig ändern, informieren Sie sich immer aktuell, wenn Sie ein Sanierungsvorhaben oder einen Heizungstausch planen; Anm. d. Redaktion)
Muss ich meine Heizung sanieren?
Ein klares Nein! Das GEG verlangt keine Sanierung einer bestehenden Heizungsanlage. Heizkessel können weiter betrieben werden. Es besteht nur eine Ausnahme, die sehr alte sogenannte Konstanttemperatur-Heizkessel betrifft. Diese müssen unter Umständen nach 30 Jahren Betriebsdauer ausgetauscht werden.
Ab wann gilt das GEG?
Das GEG gilt ab 1. Januar 2024 für Neubauten in Neubaugebieten. Ansonsten tritt die Kernforderung des GEG – eine neue Heizungsanlage muss mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden – später in Kraft, und zwar zu folgenden Stichtagen für verschieden große Städte:
Gemeindegröße | Stichtag |
Gemeinden über 100.000 Einwohner | 1. Juli 2026 |
Gemeinden bis 100.000 Einwohner | 1. Juli 2028 |
Welchen Einfluss hat ein kommunaler Wärmeplan?
Ein kommunaler Wärmeplan legt fest, wie sich die Wärmeversorgung einer Stadt oder Gemeinde in den nächsten Jahren entwickeln soll. Seit 2024 gilt eine bundesweite Pflicht zur kommunalen Wärmeplanung für alle Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Ziel ist es, die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern und den Ausbau von Wärmenetzen zu beschleunigen.
Erst wenn eine Gemeinde eine Wärmesatzung auf Basis des Wärmeplans erlässt, können bestimmte GEG-Vorgaben in diesen Gebieten vorzeitig gelten. Solche Satzungen machen Vorgaben zur Anbindung an Wärmenetze oder zur Nutzung klimaneutraler Heizungen.
Video: Quartierslösungen für die kommunale Wärmewende
Was gilt beim Einbau einer neuen Gas- oder Ölheizung ab 2024?
Gas- und Ölheizungen können noch bis zum 30. Juni 2026 in Gemeinden über 100.000 Einwohnern bzw. bis zum 30. Juni 2028 in Gemeinden bis 100.000 Einwohnern ohne die 65-Prozent-Anforderung für erneuerbare Energie eingebaut werden.
Falls eine Gemeinde eine eigene Wärmesatzung erlässt, gilt die Frist entsprechend früher. Zukünftig gilt für diese Heizungen aber ein Stufenplan, nach dem die Heizungen mit einem Anteil an Bio-Gas bzw. Bio-Öl betrieben werden müssen.
Stufenplan
Wie hoch muss der Anteil an Bio-Gas bzw. Bio-Öl bei diesen Heizungen ab wann sein?
1. Januar 2029 | 15 Prozent |
1. Januar 2035 | 30 Prozent |
1. Januar 2040 | 60 Prozent |
→ Wichtige Infos hier in den häufig gestellten Fragen zum GEG (extern)
Darstellung zu Informationszwecken; verbindlich sind allein die Vorgaben der Bundesregierung. Diese können sich auch ändern. Stand: Dezember 2023
Der Betreiber der Heizung ist dafür verantwortlich, diese Anforderung einzuhalten. "Wir empfehlen daher, dass sich der Betreiber rechtzeitig bei seinem Lieferanten über die Konditionen für die Lieferung von Bio-Gas bzw. Bio-Öl informiert", so der Experte.
Welche Lösungen stehen bei der Heizungssanierung nach GEG zur Verfügung?
Im GEG selbst sind sieben Erfüllungsoptionen aufgeführt. Neben dem Anschluss des Gebäudes an ein vorhandenes oder zukünftig geplantes Wärmenetz sind dies in erster Linie der Einbau einer Wärmepumpe, einer Holzheizung oder einer Wärmepumpen-Hybridanlage (Wärmepumpe zum Beispiel in Kombination mit einem Gas- oder Ölheizkessel).
Mit diesen Lösungen lässt sich bereits jetzt die zukünftige Anforderung des GEG erfüllen, ohne dass sich der Betreiber der Heizungsanlage weitere Gedanken um das GEG machen muss.
Wann ist eine Heizungssanierung sinnvoll?
Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. "Ich empfehle zunächst eine Energieberatung, in der der Zustand der Heizung und der Dämmstandard des Gebäudes überprüft werden.
Da aber in Baden-Württemberg weit über die Hälfte der Gas- und Ölheizungen älter als 20 Jahre sind, gehen wir von einem großen Sanierungspotential aus", sagt Stefan Menrath.
Was passiert bei einem Heizungsdefekt?
Tritt an einer fossilen Heizung ab Mitte 2026 bzw. ab Mitte 2028 ein Defekt auf, kann zunächst für maximal fünf Jahre noch einmal eine Gas- oder Ölheizung eingebaut werden. Nach Ablauf dieser fünf Jahre muss die Heizung mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden. Dafür bietet sich zum Beispiel der Zubau einer Wärmepumpe an.
"Wir empfehlen aber, nicht abzuwarten. Nach einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos über die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen gegenüber einer Gasheizung liegt die Wärmepumpe schon heute vorne", sagt Stefan Menrath und verweist auf einen Auszug aus der Studie:
„Aufgrund der veränderten Energiepreise und weiterhin vorhandenen Förderungen ist die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen in mittelmäßig sanierten Gebäuden im Vergleich zu fossil befeuerten Wärmeerzeugern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Wechsel zur Wärmepumpe ist unter den getroffenen Annahmen mittlerweile kostengünstiger als der bloße Austausch eines Gaskessels.“
Für Hausbesitzer ist es sinnvoll, sich an den SHK-Fachbetrieb des Vertrauens zu wenden. Jedes Haus und jeder Bedarf ist anders, deshalb ist eine individuelle, auf die eigene Immobilie zugeschnittene Beratung ein Muss.