Hitzeschutz beginnt schon bei der Gebäudeplanung

Hitze belastet viele Menschen enorm – besonders, wenn sie sich in der eigenen Wohnung auch über Nacht hält. Der effektivste Schutz? Die Sonnenenergie gar nicht erst ins Haus lassen!

Was man bei der Planung eines Wohnhauses beachten sollte und welche weiteren Möglichkeiten es gibt, um die Innenräume kühl zu halten.

Video: So funktioniert sommerlicher Wärmeschutz beim Hausbau

Wann spricht man von Hitze?

Hitze ist nicht mehr nur ein reines Sommer-Thema. Die Anzahl der Hitzetage und auch die Zahl der Tropennächte mit Temperaturen über 20°C nehmen weiter zu. Vor allem Stadtbewohnerinnen und -bewohner sind von den Auswirkungen der steigenden Temperaturen betroffen. Aufgrund des hohen Anteils an Beton- und Asphaltflächen wird viel Wärme gespeichert, während Niederschlagswasser nicht verdunstet, sondern abfließt, was zu einer Erhöhung der Temperaturen um bis zu zehn Grad im Vergleich zum Umland führt. Dies belastet insbesondere während Hitzeperioden viele Menschen in Städten.

Laut der üblichen Definition tritt eine sommerliche Überwärmung im Innenraum auf, wenn die gefühlte Temperatur tagsüber 27°C und nachts 25°C übersteigt. Dabei ist jedoch nicht die tatsächliche Lufttemperatur ausschlaggebend, sondern die gefühlte Temperatur, die durch die Temperatur der umgebenden Flächen und Luftbewegungen beeinflusst wird.

Automatischer Sonnenschutz

Wakila/iStock/Getty Images Plus

Rollläden schützen im Sommer vor Hitze. Im Winter dämmen sie vor der Kälte.

Hitzetauglich bauen für die Zukunft: Darauf kommt es an

In Zeiten von hohen Temperaturen wird es besonders kritisch, wenn die Wohnung keine Zuflucht vor der Hitze bietet, sondern sich die warme Luft in den Wohnräumen staut. Zukünftige Szenarien zum Klimawandel zeigen, dass sich dieses Problem weiter verstärken wird. Daher ist es umso wichtiger, bei Neubauten Maßnahmen gegen sommerliche Überwärmung zu planen.

Eine sorgfältige Planung ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Nutzungsdauer von Einfamilienhäusern und Wohngebäuden zwischen 60 und 100 Jahren liegt. Bei der Planung können verschiedene wirksame Maßnahmen gegen Überhitzung im Wohnraum getroffen werden, die den thermischen Komfort eines Wohnhauses grundlegend beeinflussen. Es gibt dabei viele Aspekte, die berücksichtigt werden müssen.

Warum massive Ziegelwände das Raumklima fördern

Konzeptbild Hausbau mit Modellhaus

RomoloTavani/iStock/Getty Images Plus

Schon bei Planung und Bau gilt es, die Sommerhitze zu bedenken.

7 Aspekte für hitzetaugliche Wohngebäude

1. Orientierung des Gebäudes

Nach Süden ausgerichtete Fassaden erhalten aufgrund der höchsten Sonnenposition im Süden einen geringeren Energieeintrag im Vergleich zu Fassaden, die nach Osten oder Westen ausgerichtet sind. Es empfiehlt sich daher, Fenster senkrecht und nach Süden auszurichten, um im Sommer bei höchstem Sonnenstand eine automatisch geringere Sonneneinstrahlung zu erhalten. In den restlichen Jahreszeiten kann die Sonne länger einstrahlen und dem Haus somit die benötigte Energie und ausreichend Tageslicht liefern. Fenster, die nach Osten oder Westen ausgerichtet sind, führen im Sommer hingegen zu einem höheren Wärmeeintrag. Der schräge Einfallswinkel am Vormittag oder Nachmittag lässt mehr Strahlungsenergie ins Haus gelangen und führt schnell zu Überhitzung. Vor allem schräge Fenster wie Dachfenster können im Sommer zu Hitzefallen werden.

2. Bauweise und Dämmung

Temperaturschwankungen werden durch möglichst massive Wände am besten ausgeglichen. Gute Wärmedämmung hilft nicht nur im Winter beim Sparen von Heizenergie, sondern schützt auch vor Hitze im Sommer, indem sie die einstrahlende Energie zeitverzögert und mit geringeren Temperaturschwankungen nach innen weitergibt.

3. Bauteile

Ein Raum, der der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, sollte ca. 60 % der einfallenden Sonnenenergie speichern können. Die primären Speichermassen, also massive Flächen, auf die die Sonnenstrahlung direkt trifft, sollten mindestens die dreifache Fläche der Fenster einnehmen. Um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und den CO₂-Ausstoß zu reduzieren, empfiehlt es sich, nachhaltige Materialien wie Holz anstelle von Beton zu nutzen.

Erklärvideo Tageslichtmanagement

4. Fensterflächen und Glas

Bei der Dimensionierung der Fensterflächen ist zu berücksichtigen, dass ein hoher Anteil an Glas im Sommer zu einer Überhitzung führen kann. Ausreichend Tageslicht sollte jedoch trotzdem in den Raum gelangen. Der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) und der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) des Fensterglases beeinflussen, wie viel Energie durch die Fenster dringt. Ein niedriger g-Wert und U-Wert sind daher erstrebenswert. Herkömmliches Glas ohne Beschichtung hat einen g-Wert von ca. 0,85, was bedeutet, dass 85 % der eingestrahlten Energie in den Raum gelangt. Durch beschichtetes Glas oder mehrfachverglaste Scheiben wird mehr Strahlung reflektiert und weniger Wärme dringt ein. Moderne beschichtete Fenster haben einen g-Wert zwischen 0,25 und 0,65. Es sollte jedoch beachtet werden, dass einige Glasbeschichtungen das Lichtspektrum und die Farbwahrnehmung verändern und dadurch das Wohlbefinden beeinträchtigen können.

5. Grundriss

Bei der Planung der Anordnung der Räume sollte beachtet werden, dass manche Räume zum Wärmeertrag beitragen (Bad, Küche). Der Grundriss sollte sinnvoll geplant sein.

6. Sonnenschutz

Individuelle Beschattung kann durch bewegliche Sonnenschutzsysteme im Innen- und Außenbereich erreicht werden, die je nach Wetterverhältnissen und Sonneneinstrahlung angepasst werden können. Ein idealer Sonnenschutz setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen, wie einem flexiblen Sonnenschutz im Freien (z. B. Raffstores, Rollläden, Markisen), Fensterglas mit einem niedrigen g-Wert und einem Blendschutz im Innenbereich (z. B. Jalousien, Rollos, Plissees). Während Auskragungen, wie kleine Vordächer, eine effektive Beschattung bieten können, reduzieren sie jedoch den Lichteintrag permanent und können nicht an wechselnde Bedingungen angepasst werden.

7. Bepflanzung

Fassaden- und Dachbegrünungen schützen die Fassade, nicht nur vor der Witterung und UV-Strahlung, sondern auch vor Verschmutzungen. Außerdem erreicht man sogar einen gewissen Schallschutz. Begrünte Fassaden und Dächer binden Staub und Luftschadstoffe, vor allem aber senken sie den Temperaturen der Fassade bei Hitze.

Video: Noch mehr Tipps gegen Hitze

Hitzeschutz im Haus

Das Haus ist geplant und gebaut – wie stellt man sicher, dass die Innenräume dauerhaft kühl bleiben? Dazu gibt es viele Maßnahmen und Verhaltenstipps. Wichtig ist es, allen Bewohnern des Hauses zu erklären, warum sie bei Hitze welche Maßnahmen ergreifen müssen. Denn auch der beste Sonnenschutz bringt nichts, wenn die Bewohner ihn nicht einsetzen. Vermieter, aber auch Eltern oder Betreuungspersonen wird geraten, die Hausbewohner mit den verschiedenen Maßnahmen vertraut zu machen.

Indem man beispielsweise Elektrogeräte wie PCs oder Beleuchtung sparsam nutzt und einfache Speisen zubereitet, wird vermieden, dass zu viel Abwärme in den Raum gelangt. Zusätzlich beeinflussen Faktoren wie Bekleidung, Anzahl der Personen im Raum und Aktivität das Empfinden von Hitze.

Tipps gegen Hitze im Haus

Jalousien/Rollos herunterlassen

Verhindert das Eindringen direkter Sonnenstrahlen und reduziert so die Wärmeeinstrahlung ins Haus

Fenster tagsüber geschlossen halten

Verhindert das Eindringen warmer Luft in das Haus

Lüften in den kühleren Morgen- und Abendstunden

Ermöglicht den Austausch warmer Luft im Haus mit kühlerer Luft von draußen

Elektrische Ventilatoren nutzen

Bewegung der Luft sorgt für ein angenehmeres Raumklima

Kühle Getränke und Speisen genießen

Kühlt den Körper von innen und trägt zum Wohlbefinden bei

Luftdichte Vorhänge verwenden

Verhindert das Eindringen warmer Luft in das Haus und reduziert Wärmeverluste in kühleren Nächten

Aufenthaltsraum in den kühleren Bereichen des Hauses wählen

Reduziert die Exposition gegenüber direkter Sonnenstrahlung

Hitzebeständige Materialien in der Einrichtung verwenden

Reduziert die Wärmeaufnahme und erhöht den Komfort

Klimaanlage verwenden

Senkt die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Haus auf ein angenehmes Niveau

LED-Beleuchtung installieren

Erzeugt weniger Abwärme als herkömmliche Leuchtmittel

Stromsparende Geräte benutzen

Verursachen weniger Abwärme als ineffiziente Geräte

Pflanzen im Innen- und Außenbereich richtig einsetzen

Das Aufstellen von Zimmerpflanzen kann das Raumklima verbessern. Schattenpflanzen im Außenbereich reduzieren den Wärmeeintrag durch die Sonne

So bleibt die Hitze draußen

Wenn es draußen sehr warm ist, sollte tagsüber die Fenster geschlossen gehalten und wenn möglich verdunkelt werden. Hierfür eignen sich beispielsweise Rollläden und Jalousien, um die Räume vor Hitzeeinstrahlung zu schützen. Sonnenschutzfolien können das Sonnenlicht reflektieren und bieten auch an Dachfenstern einen guten Hitzeschutz.

Ein Sonnenschutz vor dem Fenster bietet sich vor allem auf dem Balkon oder auf der Terrasse an. Markisen, Sonnensegel und Sonnenschirme hemmen die Sonneneinstrahlung, noch bevor sie auf die Fenster trifft. Wenn die Temperaturen am Abend sinken, ist der richtige Zeitpunkt zum Lüften. Die Fenster können geöffnet werden, um warme Luft entweichen zu lassen. Für den optimalen Luftaustausch in der Wohnung wird das Quer- oder Stoßlüften empfohlen.

► Hier erfahren Sie mehr dazu, wie Sie mit Rollläden & Sonnenschutz Energie sparen samt Förderung

Markise über der Terrasse

clu/iStock/Getty Images Plus

Die Markise hält die Sonnen ab und läßt kühlende Luft durch.

Förderung für sommerlichen Wärmeschutz

Als Einzelmaßnahme wird der sommerliche Wärmeschutz gefördert, wobei der Ersatz oder erstmalige Einbau von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen mit optimierter Tageslichtversorgung gefördert wird. Die Förderung kann als Zuschuss oder Kredit von BAFA und KfW beantragt werden, wobei bestimmte Voraussetzungen wie die Einhaltung der Vorgaben der DIN 4108-2:2013-02 und die Einbindung eines Energieberaters erfüllt sein müssen.

Eine Steuerermäßigung auf bis zu 20 % der Sanierungskostenals Alternative zum Förder-Zuschuss bzw. Kredit ist auch möglich, wenn die technischen Mindestanforderungen von einem Fachbetrieb bescheinigt werden. Eine Kombination der verschiedenen Förderungen ist nicht möglich.

BAFA-Zuschüsse

15 % der förderfähigen Kosten

Einhaltung der Vorgaben der DIN 4108-2:2013-02, mindestens ein Nachweis nach DIN 4108-2:2013-02

 

+ 5 % Bonus, wenn im iSFP enthalten

Kosten mind. 2.000 €, förderfähige Kosten auf 60.000 € pro Jahr begrenzt, Einbindung eines Energieberaters

KfW-Förderkredit

max. 150.000 €

Einhaltung der Vorgaben der DIN 4108-2:2013-02, mindestens ein Nachweis nach DIN 4108-2:2013-02

 

Tilgungszuschuss von bis zu 20 %

Kosten mind. 2.000 €, förderfähige Kosten auf 60.000 € pro Jahr begrenzt, Einbindung eines Energieberaters

Steuerbonus

bis zu 20 % der Sanierungskosten

Einhaltung der Vorgaben der Förderungen von KfW und BAFA, von Fachbetrieb bescheinigt

Fördern Städte in Baden-Württemberg?

Leider ist es wie bei anderen Maßnahmen nicht so, dass einzelne Städte gesonderte Förderungen speziell nur für Sonnenschutzmaßnahmen am Haus vergeben.

Nach unseren Informationen ist Heidelberg momentan die einzige größere Stadt, die einen Förderbonus von 10 % für die BEG „Einzelmaßnahme Nr 1. Gebäudehülle – Sommerlicher Wärmeschutz“ vergibt. Die 10 % gibt es aber nur für die Sanierung zum Effizienzhaus Denkmal, Effizienzhaus 55 oder Effizienzhaus 40.

Mehr Infos hier beim BAFA(extern)

Aber: Es lohnt sich immer, bei der eigenen Kommune nachzufragen! Vielleicht gibt es im Einzelfall Zuschüsse oder Kombinationsmöglichkeiten. Auch Ihr Energieberater weiß Bescheid und kennt die Gegebenheiten in Ihrer Region.

Räume kühl halten mit Geräten

Ein effektiver Weg, um heiße Räume zu kühlen, ist die Verwendung von Klimageräten. Es gibt verschiedene Arten, die für unterschiedliche Anwendungsbereiche geeignet sind. Ventilatoren sind eine kostengünstige Option, die für die Luftbewegung sorgen und ein angenehmes Raumklima schaffen. Monoblock-Klimageräte eignen sich für den mobilen Einsatz und sind eine schnelle Möglichkeit, um einen Raum zu kühlen, kosten aber schon etwas mehr. Split-Klimageräte sind für größere Räume geeignet und benötigen eine professionelle Installation, was zusätzlich Kosten verursacht. Die Wahl des richtigen Gerätes hängt vom Einsatzbereich und von der Energieeffizienz ab. Die Lautstärke von Klimageräten variiert je nach Modell und Leistungsstufe.

Beachten Sie, dass Klimageräte Strom benötigen. Und der kostet! Deshalb ist es immer sinnvoll, schon beim Bau und der Sanierung an den Hitzeschutz zu denken. Dann muss man auch nicht oder nur kaum nachträglich kühlen!

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