Hundebesitzer müssen sich mit den verschiedensten Themen auseinandersetzen: von artgerechter Haltung über die richtige Ernährung bis hin zur Sozialisierung des Vierbeiners ist alles dabei. Ein ganz wichtiges Thema ist auch die richtige Auslastung des vierbeinigen Lieblings. Dabei geht es jedoch nicht darum, dass der Vierbeiner rund um die Uhr gefordert und körperlich zu Höchstleistungen angetrieben wird, bis er völlig kaputt in seinem Bettchen einschläft. Vielmehr geht es um die richtige Balance aus körperlicher Auslastung, geistiger Forderung und einer ausreichenden Portion Ruhe.

Auslastung vs. Überforderung

Hundesport, Welpenspielstunde, Inline skaten – am besten jeden Tag etwas anderes und zwischendurch noch Gassirunden zum Lösen. Fährt der Hund anschließend in der Wohnung so richtig hoch und beginnt Sachen zu zerstören, ist die Verwunderung oftmals groß, schließlich muss der Hund doch bereits genug Bewegung gehabt haben. Das Prinzip ist jedoch ganz einfach: Bei einem Zuviel an Auslastung ist der Vierbeiner schlichtweg irgendwann überfordert und komplett überdreht. Ist der Müdigkeitspunkt bei Hunden überschritten, folgt die Überforderung, welche sich in Form von Bellen oder dem Zerstören der Einrichtung äußern kann.

Ruhe ist wichtig!

Einen Hund richtig auszulasten bedeutet, ihn einerseits gezielt zu beschäftigen, ihm andererseits aber auch genügend Ruhepausen zu gönnen. Als allgemeine Faustregel gilt, dass ausgewachsene und gesunde Hunde ein Ruhebedürfnis von 16-20h haben, bei Welpen sowie kranken oder älteren Hunden können es bis zu 22h sein. In dieser Zeit liegt der Vierbeiner herum, beobachtet, döst oder schläft. Die richtige Balance aus Ruhe und Beschäftigung kann daher eine Kunst sein.

Wie laste ich einen Hund richtig aus?

Die Auslastung bzw. Beschäftigung eines Hundes fußt im besten Fall auf vier verschiedenen Säulen:

  •  Körperliche Auslastung
  •  Geistige Beschäftigung
  •  Soziale Interaktion
  •  Rassespezifische Auslastung

Wichtig ist, dass keine dieser Säulen außen vor gelassen wird und ein guter Mix aus allen Beschäftigungen geboten wird. Aber nicht vergessen: Animationsprogramm 24/7 ist unangebracht, Ruhephasen demnach nicht vergessen! Mit der Zeit lernt man die Körpersprache des eigenen Tiers übrigens ganz genau zu lesen und erkennt immer schneller, was ihm guttut und wann es genug ist.

Körperliche Auslastung bei Hunden

Joggen ist eine wunderbare Beschäftigung für Zweibeiner und Vierbeiner.

iStock / RyanJLane

Joggen ist eine wunderbare Beschäftigung für Zweibeiner und Vierbeiner.

Regelmäßige Gassirunden gehören natürlich zum Standard-Programm der körperlichen Auslastung. Dabei sollte der Spaziergang ganz dem Hund gehören, nämlich zum Lösen und Schnüffeln. Etwas mehr Aktivität bieten verschiedene Sportarten, die sowohl mit als auch ohne Leine stattfinden können:

  • Joggen mit Hund: → Hier ist gut zusammengefasst, worauf es dabei ankommt.
  • Stand up Paddling mit Hund: vor allem im Sommer mit Schwimmrunden zwischendurch für den Hund ein tolles Erlebnis.
  • Fahrradfahren mit Hund: Bitte ohne Leine oder mit Geschirr und Leine, niemals mit Halsband.

Geistige Beschäftigung bei Hunden

Hunde sollten bis ins hohe Alter geistig beschäftigt werden, um kognitive Fähigkeiten auszubauen und zu erhalten. Hier sind es häufig bereits Kleinigkeiten im Alltag, welche ausreichend sind. Ein Suchspiel auf der Gassirunde in der Wiese, ein Schnüffelteppich zu Hause oder ein Intelligenzspielzeug, welches mit Futter befüllt wird. Am besten immer nur in kurzen Intervallen von 10 bis 15 Minuten üben, denn Nasenarbeit kann wahnsinnig anstrengend sein. Wer Leckerlis versteckt und seinen Liebling anschließend suchen lässt, stärkt zudem die Bindung zu seinem Hund, schließlich gehören Kommandos wie „Such“ oder Hilfestellungen in Form von Zeigen zur gemeinsamen Kommunikation.

Soziale Interaktion bei Hunden

Die Interaktion mit seinem Menschen ist zwar wichtig für einen Hund, es braucht jedoch auch Kontakte zu Artgenossen.

iStock / Nikada

Die Interaktion mit seinem Menschen ist zwar wichtig für einen Hund, es braucht jedoch auch Kontakte zu Artgenossen.

Soziale Interaktion bedeutet nicht nur die Interaktion zwischen Hund und Mensch, sondern zugleich die Interaktion eines Hundes mit Artgenossen. Gemeinsame Spiele mit anderen Hunden sind wichtig, denn so werden Grenzen untereinander ausgelotet und ein respektvoller Umgang miteinander erlernt. Wer sich dafür keinen zweiten Hund anschaffen möchte, sollte daher für andere Möglichkeiten zur sozialen Interaktion sorgen, zum Beispiel durch gemeinsame Gassirunden mit anderen Hundebesitzern oder Spielstunden in einer Hundeschule.

Rassespezifische Auslastung bei Hunden

Einige Hunderassen werden für ganz spezielle Zwecke gezüchtet. Weimaraner beispielsweise sind die perfekten Jagdhunde, Huskys hingegen sind prädestiniert für den Zughundesport. Wichtig ist daher vor der Anschaffung eines Hundes, sich über diese rassespezifischen Eigenschaften genau zu informieren, um auszuloten, ob man dem Vierbeiner wirklich bieten kann, was er benötigt. Bei Herdenschutzhunden wie dem Kangal kann es mitunter schon schwierig werden, denn diese wurden ursprünglich gezüchtet, um Tierherden zu sichern. Dieser Schutztrieb steckt noch heute tief in ihren Genen und sollte beachtet werden, wenn man sich ein solches Tier anschafft.

Fazit: Balance zwischen Auslastung und Ruhe finden

Weder Langeweile noch Überforderung tun einem Hund auf Dauer gut, daher ist es wichtig, eine gute Balance zwischen Auslastung und Ruhe für den Vierbeiner zu finden, sonst können schrilles Bellen, hyperaktives Verhalten wie Schwanzfangen oder ungewünschtes Ersatzverhalten wie das Abknabbern der Tapete die Folge sein. Wer derartiges Verhalten bei seinem Hund feststellt, sollte direkt gegensteuern, indem der tägliche Ablauf hinterfragt und gegebenenfalls angepasst wird. Ist der Hund artgerecht ausgelastet und erhält er ausreichend Ruhe, wird er auf Dauer ein zufriedener und treuer Begleiter sein.