Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) bleibt allerdings bei ihrer bisherigen Empfehlung: Geimpft werden sollen vor allem und als erstes die benannten Risikogruppen. "Nach wie vor entsteht die Belastung des Gesundheitssystems, vor allem derKrankenhäuser, durch Risikopatienten", betont Professor Thomas Mertens, Leiter der STIKO. "Daher sollten sich diese im Herbst unbedingt und möglichst vollständig impfen lassen."

Fehlende Impfungen nachholen beziehungsweise auffrischen

Besonders wichtig ist für Menschen mit chronischen Erkrankungen und für Ältere die Impfung gegen Grippe sowie gegen Pneumokokken. Denn Pneumokokken können direkt, Grippe kann indirekt eine bakterielle Lungenentzündung verursachen und damit das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs erhöhen. Daneben rät die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts älteren Menschen, fehlende Impfungen gegen Tetanus und Diphterie nachzuholen und dann alle zehn Jahre aufzufrischen. Für Keuchhusten reicht eine einmalige Auffrischung - außer bei geplanter Schwangerschaft für die Frau und ihre Familie. Auch die Impfung gegen Polio sollte nachgeholt werden, falls sie fehlt. Bei Masern ist das in Deutschland für alle nach 1970 Geborenen sogar Pflicht.

Kleines Mädchen wird geimpft

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Die Schutzimpfung gegen Masern ist in Deutschland Pflicht.

Impfungen mit positiven Nebenwirkungen

Doch von den rund 37 Millionen Risikopatienten in Deutschland lassen sich bisher noch zu wenige gegen Grippe impfen. Ein häufiger Einwand sind mögliche Nebenwirkungen. Keine Frage: Impfungen können Nebenwirkungen haben. Manche vorübergehenden treten sogar häufig auf, etwa eine Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. Auch Fieber, Kopfschmerzen oder Übelkeit sind nicht selten.

Allerdings gibt es auch positive Nebenwirkungen, so dass Impfungen über ihren eigentlichen Zweck hinaus nützen. So ist das Risiko für einen Herzinfarkt noch eine Woche nach einer echten Grippe (Influenza) um das Sechsfache erhöht, ergab eine Untersuchung aus Kanada. Die Grippe-Impfung beugt dem vor. Ähnliche Hinweise gibt es für die Pneumokokken-Impfung. Die Influenza-Spritze erhöht zudem die Lebenserwartung von Patienten mit Herzschwäche. Gut zu wissen: Mit einer Impfung schützt man auch Ungeimpfte - und zwar umso mehr, je mehr Menschen sich impfen lassen.

 

Grippe-Impfung ist gut verträglich

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU für Risikogruppen eine Impfquote von mindestens 75 % fordern, liegt die tatsächliche Quote nur zwischen 23 und 50 %. Hauptgrund für das Zögern: Misstrauen und der Glaube, die Impfung selbst könnte krank machen. Diese Sorgen sind jedoch unbegründet: Die Grippe-Impfung ist gut verträglich und führt nicht zu einer Erkrankung, beruhigen Infektiologen und wünschen sich eine breitere Aufklärung der Bevölkerung, vor allem durch die Hausärzte. Diese können aktiv die Unsicherheiten zerstreuen und gerade Risiko-Patienten zum Impfen motivieren.