Mit einem Wintergarten erfüllen sich viele Bauherren den Wunsch, „mitten in der Natur“ zu leben. Wer unabhängig von der Außentemperatur diesen Extra-Raum nutzen will, muss sich deshalb vor Baubeginn Gedanken zur gläsernen Hülle machen. Da 80 Prozent des Wintergartens aus Glas besteht, ist es eine der wichtigsten Variablen, die über Funktionalität und Atmosphäre entscheidet. „Welches Glas eignet sich für die Seitenteile, Fenster und Türen? Welches für das Dach? Wie sieht es mit der Sicherheit bei den Glaskonstruktionen aus? Bevor man anfängt, seine kleine Oase zu bauen, müssen diese Fragen unbedingt beantwortet werden“, erklärt Dipl.-Ing. Franz Wurm, 1. Vorstand des Wintergarten Fachverbands e. V. und vereidigter Sachverständiger. Deshalb hat der Experte in der Ratgeber-Broschüre „Faszination & Information Wintergarten“ zusammengefasst, was es genau bei der Verglasung zu beachten gibt.

Wärmeverlust vermeiden

Aufgrund ihrer großen Glasflächen und der geringen Baumasse erwärmen sich Wintergärten zwar relativ schnell, kühlen aber auch rasch ab. Das hängt zum einen vom g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) ab, der anzeigt, wie viel Sonnenenergie durch die Scheibe dringt. Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) signalisiert hingegen, wie viel Wärme entweicht. Durch eine gute Isolation kann also ein guter, niedriger U-Wert erreicht werden.

Geeignetes Glas wählen

Da das Glas die strengen Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen muss, sind Einfachgläser und Isoliergläser „älteren Standards“ für Wintergärten nicht geeignet. Denn sie weisen zu hohe U-Werte auf. „Beim Wintergarten muss ein Mehrscheiben-Isolierglas mit erhöhter Wärmedämmung, also ein Wärmedämmglas, in Verbindung mit hoch dämmenden Rahmenmaterialien zum Einsatz kommen“, so Franz Wurm, „diese Gläser können nahezu überall eingesetzt werden, denn sie bieten optimale Wärmedämmung bei gleichzeitig hoher Energie- und Lichtdurchlässigkeit.“ Bei einer Wärmedämmverglasung ist die Dichtung des Scheibenzwischenraums entscheidend. Der Wärmeverlust in diesem Bereich kann mit so genannten „warmen Kanten“ aus Edelstahl oder Kunststoff – das sind Abstandhalter – wesentlich verringert werden. Um eine noch bessere Wärmedämmung zu erzielen, tragen die Glashersteller auf der raumseitigen Scheibe zum Scheibenzwischenraum hin eine hauchdünne Edelmetall-Beschichtung auf. Durch diese „Low-E-Beschichtung“ (low-emissivity – geringes Emissionsvermögen) wird die Wärmeabstrahlung in den Scheibenzwischenraum und damit der Wärmedurchgang durch das gesamte Mehrscheiben-Isolierglas nach draußen reduziert. So erreicht ein Zweifach-Wärmeschutzglas mit Luftfüllung zwischen den Scheiben einen U-Wert von etwa 1,9 W/m²K. „Die Luft kann durch ein Edelgas mit geringerer Leitfähigkeit, wie etwa Argon oder Krypton, ersetzt werden“, erklärt Franz Wurm, „dadurch liegt der U-Wert beispielsweise eines Dreifach-Isolierglases mit Edelgasfüllung bei etwa 0,7 W/m²K. Zwar ist eine Dreifachverglasung wesentlich aufwändiger und kostenintensiver, aber vor allem Besitzer eines Nord-Wintergartens sollten zu dieser Variante greifen.“

Sicherheit und Sauberkeit

Wer sich auch beim Dach für Glas entscheidet, sollte hier Sicherheitsglas einsetzen. „Das Dach muss größere thermische und physische Kräfte aushalten als die gläserne Unterkonstruktion“, so der Wintergarten-Sachverständige „zum einen hängt dies vom Einstrahlungswinkel der Sonne ab, zum anderen muss das Dach besonders resistent gegen Hagelschlag, herabfallende Teile oder Schneelasten sein.“ So muss als untere, raumseitige Scheibe, Splitterbindendes Verbund-Sicherheitsglas (VSG) eingesetzt werden. Es besteht aus mindestens zwei Glasscheiben, die durch eine doppelte, besonders reißfeste Polyvinyl-Butyral-Folie (PVB) verbunden ist. So bleibt im Fall einer Beschädigung die verglaste Fläche geschlossen. Zusätzliche Sicherheit, wie etwa beim Herabfallen von Eiszapfen, bietet eine Außenscheibe aus vorgespanntem Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reinigung der großflächigen Glaskonstruktion, die bei höheren Fassaden oder schrägen Dächern sehr aufwändig sein kann. „Hier bietet sich der Einsatz selbstreinigender Gläser an,“ erläutert Franz Wurm, „eine Spezialbeschichtung der Außenscheibe zersetzt in Verbindung mit Tageslicht organische Verschmutzungen wie Blütenstaub, Harze oder Vogelkot. Und der Regen spült einfach alles ab.“