„Wir sind auch nur Menschen, sehen nur ein wenig anders aus.“ Das sagt Karin Breunig, Regionalteamleiterin von Mobil mit Behinderung e.V. Damit spricht sie eine Herausforderung an, mit der Menschen mit Behinderung im Alltag häufiger konfrontiert sind, dem, nicht als normale Menschen angesehen zu werden.
Sie erzählt davon, wie sie manchmal, wenn sie ein Restaurant besucht, quasi vom Kellner übersehen wird, der ihre Begleitung fragt, was sie denn essen möchte. „Ich sage dann ganz frech: Ich kann auch sprechen“, sagt Breunig mit keckem Gesichtsausdruck.
Alle sind gleich
Über ihr eigenes Engagement im Verein hinaus ist sie sich sicher: „Wir werden und müssen weiterkämpfen, dass man auf uns aufmerksam wird und dass der Paragraph 3 des Grundgesetzes zum Tragen kommt.“ In diesem steht geschrieben: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Im Hinblick darauf möchte man im Verein erreichen, dass auch behinderte Personen mobil sein und mit dem Auto fahren können. Das kann mitunter, wie Breunig betont, sehr teuer sein.
Auch hier gibt es Ausschlusskriterien: „Rentner mit körperlicher Behinderung, die eine Erwerbsminderungsrente beziehen, oder auch Hausfrauen mit körperlicher Behinderung und Kinder mit körperlicher Behinderung, die bekommen keinen Zuschuss für ein Auto oder einen Umbau des Autos, gemäß des Mottos: ‚Ihr könnt‘ doch mit dem ÖPNV fahren‘ – falls der dann auch fährt. Wenn man berufstätig ist, bekommt man über die Rentenversicherung oder Spenden Unterstützung.“
Hilfe zur Selbsthilfe
Sowohl die Hilfe zur Selbsthilfe, in Eigenverantwortung, zu fördern, als auch der Austausch mit anderen Selbsthilfegruppen und das Netzwerken mit den einzelnen Institutionen und Vereinen ist Karin Breunig sehr wichtig.
Aufmerksam machen
Auf einzelnen Aktionen wie zusammen mit dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) macht sie auch darauf aufmerksam, wie man außerhalb des eigenen Autos mobil sein kann. „Die Info-Fahrt hat Sebastian Spitzer vom KVV geleitet. Er hat uns über den Bau der Straßenbahn informiert, worauf man zu achten hat beim Einstieg und Ausstieg und er hat sich unsere Sorgen und Nöte angehört. Er hat uns noch Informationen gegeben über den Bau der U-Bahn. Außerdem hat er uns Ratschläge gegeben und uns dazu angeregt, konstruktiv zu handeln – alles, was man braucht. Zweimal haben wir die Fahrt gemacht. Ich habe das mit einer anderen Selbsthilfegruppe gemacht und gefragt, ob wir das nochmal machen können, auch in Form einer Stadtrundfahrt.“
In Grötzingen hat Breunig mit Mitgliedern des Ortschaftsrates, der Stadtverwaltung und der Presse im vergangenen Jahr eine Rollstuhlfahrt durch Grötzingen gemacht, um zu sehen, wo Fehlstellen liegen, die noch nicht barrierefrei sind.
Hintergrund
Seit 12 Jahren ist Karin Breunig, die durch diverse Erkrankungen selbst eine Behinderung bekam, im Verein mit dabei. Wie sieht ihre Arbeit im Verein aus?
„Dadurch, dass mir das Wohl meiner Mitglieder am Herzen liegt, bin ich sehr viel unterwegs und hole Infos auf Seminaren und Workshops zum Thema ein. Der Austausch mit und durch andere Selbsthilfegruppen, wie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband oder der Evangelischen Erwachsenenbildung, ist mir wichtig. Die tun sehr viel für uns und auch die Stadt Karlsruhe selbst, die viele Seminare zum Thema anbietet.“
Weitere Aktionen sind in diesem Jahr noch geplant, zum Beispiel die Rehab-Messe in Karlsruhe, bei der der Verein einen Stand hat. Der Besuch der Bundesgartenschau in Mannheim steht ebenfalls auf dem Programm.
► Weitere Infos zum Verein gibt es hier.