Warum also die Schönheit der Gegend nicht einmal im Winter erkunden? Mein Ländle- Autor Jürgen Gerrmann hat es für Sie ausprobiert.

Im Jahr 1956 war es, als Bad Waldsee zum Moorheilbad erhoben wurde. Kurgäste und Sommerurlauber kommen auch heute noch gleichermaßen gerne in das 20 000-Einwohner-Städtchen, in dem immerhin rund 1660 Gäste­betten bereitstehen. Die Wander- und Terrainkurwege in und um die sechs Ortsteile eignen sich aber nicht nur in den warmen Monaten für Wanderungen und ausgedehnte Spaziergänge, sondern auch zur kalten Jahreszeit.

Kurt Nold: Ein Leben für den Wald

Mein Ländle/Jürgen Gerrmann

Ein Leben für den Wald: Kurt Nold ist auch nach Ende seines beruflichen Lebens als Förster„seinem“ Waldseer Wald eng verbunden – egal, ob er nun die Besonderheiten der einzelnenBäume erklärt oder Fragen zu den Baumpilzen am Wegrand beantwortet.
Kurt Nold: Ein Leben für den Wald

Mein Ländle/Jürgen Gerrmann

Ein Leben für den Wald: Kurt Nold ist auch nach Ende seines beruflichen Lebens als Förster„seinem“ Waldseer Wald eng verbunden – egal, ob er nun die Besonderheiten der einzelnenBäume erklärt oder Fragen zu den Baumpilzen am Wegrand beantwortet.
Kurt Nold: Ein Leben für den Wald

Mein Ländle/Jürgen Gerrmann

Ein Leben für den Wald: Kurt Nold ist auch nach Ende seines beruflichen Lebens als Förster„seinem“ Waldseer Wald eng verbunden – egal, ob er nun die Besonderheiten der einzelnenBäume erklärt oder Fragen zu den Baumpilzen am Wegrand beantwortet.
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Ein besonderes Erlebnis genießt, wer eine Führung mit dem früheren Waldseer Förster Kurt Nold erwischt. Der befindet sich zwar schon ein paar Jährchen im Ruhestand, aber man spürt auf Schritt und Tritt: Das ist immer noch „sein“ Wald, durch den er da mit den Gästen schreitet; und es gibt eine Menge Dinge aus seiner aktiven Zeit, auf die er stolz zurückblicken kann. Das Biotop am Waldrand, das nur ein Viertelstündchen vom Start der Winterwanderung an der Waldsee-Therme entfernt liegt, ist nur eines von vielen Beispielen. Als Ausgleichsmaßnahme für die Flurbereinigung angelegt, bietet es Lurchen, Amphibien und Insekten einen Lebens­raum, den sie sich im Sommer mit Stock­enten und Reihern teilen. Und wenn die Frösche und Kröten in der Zeit nach dem Winterschlaf zum Laichen an den kleinen See ziehen, wird die Frühlingswanderung schon mal zum Ausweichslalom.

Zwischen Golfern zur Hütebuche

Als gute Entscheidung erwies es sich auch, den Randstreifen mit alten Buchen, Fichten und Kiefern stehen zu lassen, als vor gut vier Jahrzehnten der Waldseer Golfplatz entstand. Der urige Waldrand am Unteren Schneiderholz beeindruckt heute Golfer wie Spaziergänger gleichermaßen mit seiner besonderen Ausstrahlung. Und das gilt auch für das Biotop im Unteren Saubad mit seinen mehr als zwei Jahrhunderte alten Bäumen. Wenn sie absterben, lassen die Forstleute die Tothölzer stehen, denn für viele Tierarten sind gerade sie ein wichtiger Lebensraum. Bei Sturm oder heftigem Wind können sich hier allerdings Zweige oder Äste lösen. Dann ist Vorsicht geboten. Bei gutem Wetter kreuzt hingegen der eine oder andere Mountainbiker den Weg, denn durch diesen Teil des Stadtwaldes führt der Saubad-Trail für Sportler. Aber in der Regel kommt man sich nicht in die Quere, sondern pflegt ein rücksichtsvolles Miteinander.

Solitärbäume auf der Golfplatzrunde

Mein Ländle/Jürgen Gerrmann

Gerade die Solitärbäume machen die winterliche Golfplatzrunde so attraktiv.

An die frühere Nutzung der Waldseer Wiesen erinnert ein mächtiger Baum, die sogenannte Hütebuche, unter der das Vieh an heißen Tagen Schutz und Schatten fand. Von ihr aus schweift der Blick ungehindert über den Golfplatz-See, der je nach Wetter in den verschiedensten Farben schillert. Der Fürstliche Golfclub Oberschwaben und der Golfclub Oberschwaben Bad Waldsee betreiben auf dem Terrain des Fürsten von Waldburg-Wolfegg einen der größten und schönsten Golfplätze im Ländle: Die beiden Meisterschaftsanlagen haben je 18 Loch, hinzu kommt ein Neun-Loch-Platz für Neulinge und Anfänger. Das Schöne für Naturliebhaber: Bei der Anlage des Golf-Resorts blieben alte Baumgruppen stehen, sie fügen sich heute in die Spielbahnen ein. Auch die alten Wegerechte durch die 100 000 bis 200 000 Jahre alte Jungmoränen-Landschaft kommen den Wanderern zugute und alle profitieren – das harmonische Miteinander von Golfern und Spaziergängern ist einfach wohltuend.

Kapelle am Hofgut Hopfenweiler

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Ein Stück Weltausstellung in Oberschwaben: Die Kapelle am Hofgut Hopfenweiler stand nämlich zuerst auf der Expo von 1889 in Paris.
Alter Baumbestand auf dem Golfplatz.

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Der alte Baumbestand auf dem Golfplatz blieb erhalten.
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Ein baulicher Höhepunkt dieser Winterwanderung ist das Hofgut Hopfenweiler, in dem auch Golf-Hotel und -Restaurant untergebracht sind. Besonders sticht die Kapelle ins Auge, die nicht so recht ins oberschwäbische Landschaftsbild passen will. Sie stammt nämlich von der Pariser Weltausstellung des Jahres
1889 – eben jene, für die der Eiffelturm errichtet wurde, auf der Gottlieb Daimler seinen revolutionären Motor präsentierte und Buffalo Bill seine Wild-West-Show. Mit ihrem skandinavisch-baltischen Einschlag gefiel das Kirchlein der Fürstin Sophie zu Waldburg-­Wolfegg (1836–1909) so gut, dass sie es kurzerhand kaufte und von der Metropole an der Seine ins beschauliche Oberschwaben transportieren ließ. Sie engagierte den Münchner Architekten Carl ­Haggeney, um das Gebäude anstelle des Vorgängerbaus von 1606 errichten zu lassen. Später verfasste der Baumeister übrigens eine Biografie über seine ­adlige Auftraggeberin.

Seeden

Mein Ländle/Jürgen Gerrmann

In Seeden findet man diese Erinnerung an die Marterwerkzeuge Jesu.
Wegkreuz als Biotop

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Ein Wegkreuz als Biotop
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Geht’s auch kürzer?

Wem die Stadtwald-Tour zu weit geht, den reizt vielleicht der kürzere Terrainkurweg 6, der den Spuren der Jakobs­pilger folgt. Er begeistert vor allem durch die herrlichen Blicke auf die weite Landschaft und auf die Alpen, die – ­gutes Wetter vorausgesetzt – aus der Ferne grüßen. Doch auch auf dieser Tour lohnt ein Blick aufs Detail: An den Wegesrändern und in den kleinen Weilern stößt man immer wieder auf Zeugnisse katholischer Volksfrömmigkeit, die Oberschwaben so sehr prägt. Zum Beispiel das Kreuz mit den Marterwerkzeugen Jesu im Waldseer Teilort Seeden.

Ganz gleich, ob man nun länger oder kürzer unterwegs ist: Im Anschluss an eine Wanderung oder einen Spaziergang tut der Besuch in der Waldsee-Therme gut. Wie könnte man nach der Tour besser entspannen, die Muskeln lockern und sich treiben lassen? Kein schlechter Ausklang eines Winterwandertages.

Gut unterwegs: Die Bad Waldseer Touren im Überblick

Alle Wander- und Terrainkurwege der Gegend sind gut markiert und beschildert und eignen sich bei vernünftigem Wetter sehr gut für Wintertouren.

Weg 1 – Stadtseerunde
Strecke: 3 km / Gehzeit: 1 Std. / Höhen­unterschied: 20 m

Weg 2 – Golfplatz Hopfenweiler
Strecke: 6 km / Gehzeit: 1,5 Stdn. / Höhenunterschied: 60 m

Weg 3 – Grabener Höhe und Sebastianskapelle
Strecke: 10 km / Gehzeit: 2,5 Stdn. / Höhenunterschied: 150 m

Weg 4 – Alpenblick
Strecke: 11 km / Gehzeit: 2,5 Stdn. / Höhenunterschied: 250 m

Weg 5 – Ruine Neuwaldsee
Strecke: 9 km / Gehzeit: 2,5 Stdn. / Höhenunterschied: 200 m

Weg 6 – Auf den Spuren der Jakobspilger
Strecke: 5 km / Gehzeit: 1,5 Stdn. / Höhenunterschied: 70 m

Weg 7 – Zur „Schwäb’schen ­Eisebahne“ in Durlesbach
Strecke: 6,5 km / Gehzeit: knapp 2 Stdn. / Höhenunterschied: 120 m

Weg 8 – Storchenweg am Herrschaftsried
Strecke: 6,5 km / Gehzeit: knapp 2 Stdn. / Höhenunterschied: 40 m

Weg 9 – Steinacher Ried
Strecke: 6,5 km / Gehzeit: knapp 2 Stdn. / Höhenunterschied: 25 m

Weg 10 – Rund um die Rißquelle
Strecke: 5,7 km / Gehzeit: knapp 2 Stdn. / Höhenunterschied: 35 m

Weitere Informationen unter: www.bad-waldsee.de

Winterwanderung in Oberschwaben Karte

Mein Ländle/Jürgen Gerrmann