Menschen ziehen mit Lärminstrumenten durch die Orte, bemalte Eier fungieren als Fruchtbarkeitssymbole, Osterlämmer werden gebacken, Zucker- und Schokoladenhasen gegossen, Osterfeuer entzündet. Wie kaum ein anderes christliches Fest hat Ostern in Baden-Württemberg die meisten Ausprägungen - und sicher auch den einen oder anderen kuriosen Brauch. Mancher hat eine jahrhundertelange Tradition und geht sogar auf heidnische Ursprünge zurück.

Rätschen statt Glocken

In vielen katholisch geprägten Gemeinden im Südwesten wird zwischen Gründonnerstag und der Verkündung der Auferstehung Jesu mit Rätschen, Klappern und Rasseln zum Gottesdienst gerufen. In dieser Zeit dürfen nämlich die Glocken der katholischen Kirchen nicht läuten. Die Geräusche der hölzernen Lärminstrumente muten im Gegensatz zum Klang der Glocken sehr hart und unangenehm an. Sie stehen dadurch symbolisch für die Leiden Jesu und ahmen die Hammerschläge nach, mit denen er ans Kreuz genagelt wurde. Die Rätschen erinnern damit an das Opfer Jesu, sie rufen zur Messe und vertreiben gleichzeitig den Winter.

Im Freiburger Stadtteil Ebnet ziehen die Jungen paarweise durch den Ort und rufen mit den Rätschen zum Gottesdienst. Am Karfreitag wird bereits um 6 Uhr morgens gerätscht.

Osterhase

Erstmals wird der Osterhase in der Dissertation eines Arztes erwähnt, der bei einem Heidelberger Medizinprofessor im Jahr 1682 promoviert wurde. In der Schrift wird der Brauch des Osterhasen unter anderem in der Pfalz, im Elsass und in angrenzenden Gebieten beschrieben. Demnach lege der Osterhase die Eier und verstecke diese im Gras oder unter Sträuchern. Dort würden sie von den Kindern gesucht, sehr zur Freude der Erwachsenen.

Im 19. Jahrhundert erfuhr der Osterhase einen Aufschwung, der vermutlich in der industriellen Herstellung von günstigem Rübenzucker zu erklären ist. Hierdurch wurde die Produktion von erschwinglichen Schokoladen- und Zuckerhasen erst ermöglicht.

Rote Zuckerhasen an Ostern

Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde

Der Zuckerhase gehört im Südwesten seit langem zur Ostertradition.

Zuckerhase

Bereits im 18. Jahrhundert, stärker jedoch ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich der meist rote Zuckerhase vor allem im süddeutschen Raum. Die österliche Schleckerei wird aus einer Masse aus Kristallzucker, Wasser, Glukosesirup und rotem Lebensmittelfarbstoff hergestellt. Die erhitzte Masse wird in zweiteilige, eingeölte Metallformen gegossen. Nach dem Aushärten werden die dünnwandigen Zuckerhasen vorsichtig aus der Form gelöst.

Die Herstellung fand meist in Bäckereien, Konditoreien oder Zuckerbäckerein statt. Auch heute noch gibt es in Baden-Württemberg vereinzelte "Hasenmütter" und "Hasenväter", welche die ausgefallene Süßigkeit herstellen.

Video: Zuckerhasen gießen - eine alte Tradition

Osterei

Auch wenn die Praxis des Verzierens oder Färbens von Eiern bis in vorchristliche Zeit zurückreicht, wird diese seit dem 12. Jahrhundert überwiegend mit Ostern in Verbindung gebracht. Dabei hatte das Färben zunächst ganz praktische Gründe. In den sechs Wochen von Aschermittwoch bis Ostern durften wegen des Fastengebots neben Fleisch auch keine Eier gegessen werden. Diese wurden deshalb hart gekocht und somit haltbar gemacht. Durch das Färben in verschiedenen Farben, konnten ältere Eier von jüngeren unterschieden werden.

Das Ei als Fruchtbarkeitssymbol stand bereits in vorchristlicher Zeit für Geburt, Neubeginn oder Wiedergeburt. So ist es beispielsweise in der Kurpfalz zusammen mit der Brezel als Sonnensymbol auf Sommertagsstecken zu finden, mit denen vor Ostern der Winter vertrieben und der Frühling begrüßt wird. Im Christentum gilt das Ei als Sinnbild für die Auferstehung Jesu. Mit dem Aufbrechen der Schale wird das Öffnen des Grabes am Ostermorgen assoziiert.

Das Osterei-Museum in Sonnenbühl gewährt in der Zeit um Ostern Einblicke in Historie und Brauchtum rund ums Osterei. Die Dauerausstellung zeigt rund 1.000 Eier und Ei-Objekte, darunter Brauchtumseier, Natureier, Eier aus vielen Ländern der Welt sowie kunstgewerbliche Eier.

Ostereierschurgeln

In den nordbadischen Orten Walldorf, Rot und St. Leon kannte man bis in Mitte des 20. Jahrhunderts das so genannte Ostereierschurgeln. Hierbei suchten sich die Kinder einen sandigen Abhang an den in dieser Gegend typischen Dünen. In den Hang zogen sie Furchen, in denen dann die Ostereier bergab rollen mussten. Gewonnen hatte derjenige, dessen Ei am weitesten hinunterrollte. Der Sieger bekam das Osterei des Kontrahenten. An den Ostertagen sorgte dieses eigenartige Treiben besonders bei schönem Frühlingswetter für rege Beteiligung.

Kinder beim Ostereierschurgeln am Sandbuckel in Walldorf

Zeichnung: Helmut Werner

Der Walldorfer Künstler Helmut Werner hat das Ostereierschurgeln in einer Zeichnung festgehalten.

Ostereierklopfen oder "Higgen"

Daneben gab es den Brauch des Ostereierklopfens. Zwei Spieler schlugen je ein hart gekochtes Ei - wahlweise mit dem spitzen oder stumpfen Ende - aufeinander. Derjenige, dessen Osterei zerbrach, musste es an seinen Mitspieler abgeben.

Im Bruchsaler Stadtteil Heidelsheim findet der Brauch eine besondere Ausprägung. Seit über 175 Jahren gibt es in der ehemaligen freien Reichsstadt das "Eier-Higgen" am Ostersonntag auf dem Marktplatz. Dabei trifft sich die Jugend zum Ostereierklopfen. Seit der Wiederbelebung dieses Brauchs im Jahr 1959 gilt die überlieferte Spielregel "Spitz auf Spitz und Arsch gegen Arsch". Der Einsatz von Brut- oder Nesteiern ist streng verboten. Wer beim Schummeln erwischt wird, kommt vor das so genannte Spinnclubgericht und wird disqualifiziert.

Osterbrunnen

In einigen Regionen des Landes findet sich die Tradition der Osterbrunnen. Vor Ostern wird der Ortsbrunnen aufwändig geschmückt. Dabei kommt als österliches Symbol überwiegend das Ei zum Einsatz. Häufig werden die Brunnen die Form einer Krone verziert. So sind sie für einige Tage die Attraktion im Ort. Herkunft dieser Tradition soll um 1909 die Fränkische Schweiz gewesen sein. In Schechingen auf der Schwäbischen Alb, in Maulbronn, in Laudenbach oder in Ihringen am Kaiserstuhl lassen sich die mit handbemalten Eiern geschmückten Osterbrunnen bestaunen.

Über den Hintergrund des Brauchs streiten sich die Geister. So war man lange davon ausgegangen, dass damit die Bedeutung des Wassers beziehungsweise der Quelle für Mensch und Tier hervorgehoben werden sollte. Auch in vielen Untersuchungen konnten keine Belege für diese Theorie oder einen älteren Ursprung des Brauches gefunden werden.

Osterbrunnen in Schechingen

Pwagenblast/Wikimedia/CC BY-SA 4.0 - https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

Neu belebte Tradition: Seit 2003 ist der Osterbrunnen fester Bestandteil im Jahreskalender von Schechingen.

Osterfeuer

Einer der bekanntesten Osterbräuche dürften die Osterfeuer sein. Sie werden in verschiedenen Regionen Deutschlands an Karfreitag oder am Ostersonntag entzündet. Hierfür werden auf Feldern oder Bergkämmen möglichst hohe Holz- und Reisigstapel errichtet, so dass ihre Flammen weithin zu sehen sind. Im Südwesten gibt es diese Tradition beispielsweise in Orten am Bodensee, im Schwarzwald oder im Badischen Odenwald.

Die Feuer im Frühling haben einen germanischen Ursprung. Nach der Christianisierung stehen sie seit dem Mittelalter als Symbol für Auferstehung und ewiges Leben.

Ein Osterfeuer brennt in der Dämmerung.

Janik/LM-Archivbild

Die Tradition der Osterfeuer gibt es in verschiedenen Regionen des Südwestens, wie hier im Kraichgau.

Glühende Osterschwämme

Eine ganz besondere Variante des Osterfeuers wird in der Schwarzwald-Gemeinde St. Peter zelebriert: Kinder und Jugendliche ziehen dort durch den Wald und sammeln eine bestimmte Baumpilzart. Diese "Schwämme" werden am Ostersonntag im Gottesdient gesegnet und anschließend in einem Feuer zum Glühen gebracht. Mit den glimmenden Pilzen ziehen die jungen Leute dann von Haus zu Haus. Bei jedem Haus bleibt jeweils ein Stück des Schwammes zurück, als segenbringendes Osterfeuer.

Der über 100 Jahre alte Brauch geht auf die frühere Knappheit von Kerzen zurück. Damals nutzten die Menschen die zahlreich vorhandenen Baumpilze als Lichtquelle.

Osterlamm

Im Christentum steht das Lamm für die Auferstehung Christi. Das führte zum Backen von Gebildbrot in Form von Osterlämmern. In das Symbol für den Sieg über den Tod wird die Fahne der Auferstehung gesteckt. Im Gottesdienst wird das "Lamm Gottes", das "Agnus Dei" geweiht und neben anderen Speisen zum Osterfrühstück verzehrt. Dabei geht diese Tradition auf den alten Brauch im Judentum zurück, zu Pessach (Passahfest) ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen. Auch Jesus hatte wenige Tage vor seinem Tod noch das Passahfest gefeiert.

Osterlamm - Gebildbrot zu Ostern

iStockphoto/Thinkstock

Das gebackene Osterlamm gehört für viele zum Osterfrühstuck dazu.

Osterzopf

Ein frischer Hefezopf gehört für viele Menschen im Schwäbischen zum Osterfrühstück wie die Ostereier. Der Osterzopf besteht aus geflochtenen Hefezopfsträngen. Bestreut wird das Gebäck wahlweise mit Rosinen, Mandeln, Nüssen oder Hagelzucker. Diese Tradition geht, ebenso wie beim Osterlamm, vermutlich auf das jüdische Fest Pessach zurück.

Was es mit den schwäbischen "Apostelbrocken" auf sich hat, erfahren Sie hier

Ostern in den Schlossgärten

Wer den flinken Osterhasen treffen will, sollte am Ostersonntag den Schlossgarten Schwetzingen besuchen. Der Frühlingsbote ist hier unterwegs und versteckt die bunten Leckereien. Dabei ist der Hase gar nicht scheu, sondern lässt sich auch gerne zu einem Selfie überreden. Die Kinder sind eingeladen, zwischen den Blumen und Sträuchern nach Ostereiern zu suchen.

Osterhase im Schlossgarten Schwetzingen

SSG-Pressebild

Alljährlich versteckt der Osterhase im Schwetzinger Schlossgarten süße Leckereien für die Kinder.

Im Blühenden Barock beim Residenzschloss Ludwigsburg wird zum Frühlingserwachen der Schlossgarten österlich geschmückt. Dort überraschen riesige Ostereier, die mit echten, kunstvoll verzierten Eiern behängt sind. Dazu gibt es einen besonderen Osterbrunnen. Besucher können zudem in einem Eierlauf-Parcours ihre Geschicklichkeit beweisen.

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