An alten Mauern hängt er nicht unbedingt. Die Zukunft ist ihm wichtiger, und für die setzt Bernhard Prinz von Baden sich mit viel Herzblut ein. Das hat er schon vor Jahren bewiesen, als er in schwieriger Zeit die Verantwortung für den jahrhundertealten „Familienbetrieb“ übernommen hat. Als ältester Sohn der Familie wurde der heute 52-Jährige von vornherein mit der Rolle des Erbprinzen und späteren Chefs des Hauses Baden vertraut gemacht. Als Last hat er das nie empfunden, vielmehr als klare Ansage, wo in dieser Welt sein Platz ist.

Erst Prinz, jetzt Markgraf

Bernhard Max Friedrich August Gustav Louis Kraft Prinz und Markgraf von Baden ist seit 2022 Chef des Hauses Baden. Bereits seit 1998 leitete er die zugehörigen Familienunternehmen. Nach der Familientradition trat er bis zum Tod seines Vaters Max Markgraf von Baden (29.12.22) unter dem Namen Bernhard Prinz von Baden auf. Seit dem verwendet er in der Öffentlichkeit den Namen Bernhard Markgraf von Baden. (Anm. der Reaktion, Januar 2023)

Sein Platz war immer eng mit Schloss Salem verbunden. Wie auch seine Schwester und seine drei Brüder ist er dort zur Welt gekommen. Rund 400 Leute, darunter die Schülerinnen und Schüler der Schule Schloss Salem, waren damals auf dem Areal zu Hause oder berufstätig. Spielkameraden waren problemlos zu finden, es wimmelte von Kindern der Schlossbewohner. Man kann sich gut vorstellen, was für ein Treiben das in dem großen Innenhof war.

Video: Zeitreise mit Michael Hörrmann: Kloster und Schloss Salem

Kloster und Schloss Salem – ein Kulturdenkmal ersten Ranges

Nicht jammern, anpacken  Bernhard Prinz von Baden gehört einem der ältesten Hochadelsgeschlechter Deutschlands an. Seine Vorfahren stammten aus dem äußersten Südwesten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, stiegen bis zu Großherzögen auf, spielten bei der Reichsgründung 1871 eine wichtige Rolle und stellten mit ihrem letzten Thronfolger, Max von Baden, zugleich auch den letzten Reichskanzler des Wilhelminischen Kaiserreichs. Als dieses nicht mehr zu retten war, zog sich Max von Baden nach Schloss Salem zurück, das sich seit der Säkularisation 1802 im Besitz seiner Familie befand. 1920 gründete er hier mit dem Reformpädagogen Kurt Hahn das heute renommierteste Internat auf deutschem Boden.

Video: Eine besondere Führung durch die Schule Schloss Salem

Studium in der Schweiz und in Hamburg

Nach dem Besuch der Grundschule ging Prinz Bernhard zur Juniorschule des Internats Salem und schließlich auf ein Schweizer Internat. In dem Nachbarland begann er dann auch mit seinem Studium der Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaften. Aber zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich schon ab, dass er als ältester Sohn und Erbprinz bald zu Hause gebraucht würde. Deshalb wollte er ein duales Studium absolvieren, um schneller zu praktischer Erfahrung zu kommen. In der Schweiz und in Baden-Württemberg war das damals noch nicht möglich, also verschlug es ihn in den hohen Norden nach Hamburg.

Sanierung im Hause Baden

Aber noch bevor er den Abschluss machen konnte, kam der Ruf aus Salem. Zu groß war inzwischen die finanzielle Misere des Hauses ­Baden geworden, er musste dringend die Sanierung in die Wege leiten. Für einen 28-Jährigen eine ungeheure Verantwortung, doch er betrachtete sie als Chance: „In diesem Alter strotzt man vor Energie und Kraft, man ist anpassungsfähig und lernt schnell.“ Er jammerte nicht, sondern packte an.

Innenhof von Schloss Salem

MEIN LÄNDLE / Jean-Claude Winkler

Einer der Innenhöfe in Schloss Salem

Abschied von Besitztümern

Schloss Eberstein bei Gernsbach und das Neue Schloss in Baden-Baden sowie wertvolle Kunstschätze wurden unter seiner Federführung verkauft. Auch Teile von Schloss und Kloster Salem standen auf der Liste. Nach langen, ­zähen Verhandlungen gingen 2009 die für die Öffentlichkeit zugänglichen Teile des weitläufigen Komplexes in den Besitz des Landes Baden-Württemberg und in die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten über.

Dass das kulturelle Erbe weiterhin hervorragend erhalten und gepflegt wird, war und ist Prinz Bernhard wichtig. Dass seiner Familie in Salem nicht mehr das ganze Schloss gehört, sieht er gelassen: „Das Haus Baden ist kein Gebäude, sondern eine Familie, die sich in ihrer Geschichte immer wieder anpassen musste. Hätten wir uns an Backsteine geklammert, würde es uns nicht mehr geben.“

rinz Bernhard geht den Flur mit Ahnengalerie im Schloss Salem entla

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Weitläufige Gänge mit Ahnengalerie führen zu den repräsentativen Salons im Schloss.
Privater Wohnraum im Schloss Salem

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Die privaten Räume befinden sich in der ehemaligen Prälatur.
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Die Zukunft pflanzen

Immerhin sind in Salem einige Steine übriggeblieben. Noch immer führen weitläufige Gänge zu repräsentativen Salons, Geschäfts- und private Räume sind in der ehemaligen Prälatur untergebracht. Im Klosterhof befinden sich eine Vinothek und die Kelter für die Weine aus dem Weingut Markgraf von Baden. Prinz Bernhard hat sich mit seiner aus Hamburg stammenden Ehefrau Stephanie, geborene Kaul, und den drei Söhnen wenige Kilometer entfernt niedergelassen. Im Schloss wohnen seine Eltern, die 81-jährige Mutter Valerie (aus dem Haus Habsburg-Lothringen) und bis zu seinem Tod (am 29.12.2022) der 89-jährige Vater Max Markgraf von Baden.

Auch die Markgräflich Badische Verwaltung hat hier ihren Sitz. Und dann ist da noch die Bibliothek. Sie liegt Prinz Bernhard ganz besonders am Herzen. Gerade hat er sie neu aufstellen und ordnen lassen und ist stolz darauf, dass er jedes Buch mindestens einmal in der Hand gehalten hat. Viel Muße zum Lesen hat er aber vermutlich in all den Jahren nicht gehabt. Mit der Sanierung der Finanzen ­waren seine Aufgaben ja nicht beendet.

Vinothek mit Raum für Verkauf und Verkostung im Schloss Salem

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Auf dem Schlossareal werden die Bodensee-Weine des VDP-Weinguts Markgraf von Baden gekeltert sowie zur Verkostung und zum Verkauf angeboten.

Monumente und ihre Weingeschichte(n)

Heute ruht sein Leben auf drei Säulen: Er ist jetzt Chef des Hauses Baden, ist Unternehmer in Landwirtschaft, Weinbau und Forstwirtschaft und findet noch Zeit für gesellschaftliches Engagement, so etwa – in guter alter Familientradition – beim Deutschen Roten Kreuz, als Mitglied im Kuratorium der Kulturstiftung des Festspielhauses Baden-Baden und im Rat der Heinz-Sielmann-Stiftung.

Als Land- und Forstwirt sowie Winzer erfährt er unmittelbarer als andere, was Klimawandel bedeutet. Welche Baumarten zu pflanzen sind, damit sie überleben, braucht sehr genaue Überlegungen; schließlich sollen sie bei der erwarteten Erwärmung und Trockenheit in drei bis vier Generationen noch nützlich sein.

Die Weine des Weinguts Markgraf von Baden zum Verkauf angebotenin der Vinothek

MEIN LÄNDLE / Jean-Claude Winkler

Schon die Zisterzienser bauten in Salem ihren Wein aus, das Haus Baden setzt diese Tradition fort.

Seit einigen Jahren hat er seine Betriebe auf ökologische Landwirtschaft umgestellt, und bei den markgräflichen Weinen setzt man inzwischen auch auf pilzresistente Sorten, sogenannte PIWIs. Die Böden sollen gesunden und dadurch wieder zu CO2-Speichern werden, statt umgekehrt CO2 abzugeben.

Mehr über PIWI-Weinbau in Baden-Württemberg erfahren Sie hier

Ein anderes dringendes Anliegen ist Prinz Bernhard die ­Resilienz unserer Ökosysteme. Den Verlust der Artenvielfalt möchte er bremsen und regenerieren. Er unterstützt die Bemühungen der Sielmann-Stiftung, Biotopverbünde zu schaffen, weil er weiß, dass Landwirtschaft und Biodiversität untrennbare Voraussetzungen für das Leben auf dieser Erde sind. „Wir müssen dafür sorgen, dass beides im Einklang steht.“

Schloss Salem und Westfassade der Kosterkirche

MEIN LÄNDLE / Jean-Claude Winkler

Auch wenn sich heute große Teile des Komplexes im Besitz des Landes Baden-Württemberg befinden, ist Schloss Salem weiterhin Heimat der markgräflichen Familie.

Nicht nur der Natur gilt sein Bemühen. „Wenn Sie etwas lieben und schätzen, müssen Sie es auch verstehen und sie müssen seine Geschichte kennen.“ Deshalb ist er überzeugt, dass wir unser kulturelles Erbe pflegen müssen. Es den Menschen näher zu bringen und damit ihre Identität zu stärken, ist ihm ein großes Anliegen, denn nur so könne Integration gelingen. Der Spross aus dem uralten „Familienbetrieb“ Haus Baden versteht die Herausforderungen der Zukunft als Aufgabe, „und die gilt es anzupacken“.

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Schloss Salem

88682 Salem
Informationen zu Öffnungszeiten und Besichtigungsmöglichkeiten finden Sie hier
Telefonische Bestellannahme, Beratung und Rückfragen zum Weinverkauf
Montag–Freitag 8–12, 13–18 Uhr
Telefon: 07553 81284
www.markgraf-von-baden.de
www.haus-baden.eu