Ein Viertel des Energieverbrauchs in Deutschland fällt auf private Haushalte. Ein Smart Home schafft nicht nur mehr Komfort. Es kann auch dabei helfen, den Energieverbrauch zu reduzieren und das eigene Zuhause nachhaltiger zu gestalten. Denn: Intelligente Technologien bieten viel Potenzial, Energie einzusparen. Modernisierungsberater Thomas Billmann hat Tipps für ein energiesparendes Smart Home.

Tipp 1: Intelligente Thermostate – aufs Grad genau heizen

Besonders viel Energie lässt sich beim Heizen einsparen – bis zu 30 Prozent laut der SmartHome Initiative Deutschland. Um von diesem Einsparpotenzial zu profitieren, muss nicht die komplette Heizungsanlage ausgetauscht werden. Stattdessen reichen programmierbare Thermostate. Diese können mit wenigen Handgriffen installiert werden und alte Drehregler ersetzen. Mit der intelligenten Wärmesteuerung lässt sich die Temperatur zentral regulieren und genau einstellen. „Es macht einen großen Unterschied, ob das Eigenheim auf 19 oder 22 Grad erwärmt wird. Denn jedes Grad weniger kann bis zu sechs Prozent Heizenergie einsparen“, erklärt Billmann. In Kombination mit Tür- und Fenstersensoren sind Thermostate für den Heizkörper noch effektiver. Registriert der Sensor das Öffnen einer Tür oder eines Fensters, drosselt das Thermostat automatisch die Heizung.

Video: So viel bringt ein smartes Zuhause I Ökochecker SWR

Tipp 2: Smarte Beleuchtungskonzepte

Der Bereich Smart Lighting umfasst smarte Lichtquellen, intelligente LED-Leuchten oder komplexe Lichtmanagementsysteme, die auf Veränderungen der Umgebung oder auf Nutzerwünsche reagieren. Eine smarte Lichtsteuerung kann anhand des einfallenden Tageslichts automatisch die Beleuchtung dimmen oder ganz abschalten. Über die Lichtregelung, zum Beispiel per App, können Nutzer auch vorab die gewünschte Beleuchtungsstärke festlegen. Sensoren sorgen dafür, dass Licht nur dann angeschaltet ist, wenn es gebraucht wird. Bewegungs- und Präsenzsensoren erkennen, ob sich eine Person im Raum befindet. Sie registrieren Temperaturveränderungen, Echoschall oder auch kleinste Bewegungen. Tageslichtsensoren messen dagegen die Helligkeit im Raum und mischen dann gegebenenfalls Kunstlicht zu.

Tipp 3: Zukunftstechnologien im Bad

Tatsache ist: Auf vielen Ebenen bietet der State of the Art schon höchsten Komfort. Funktional ist mit Dusch-WCs, bodenebenen Duschen und programmierbaren Armaturen schon ein sehr hoher technischer Standard erreicht.  eine neue Generation von smarten Produkten ist im Badezimmer angekommen: Benutzerprofile für smarte Duschsysteme können individuell eingestellt und abgerufen werden. Per Geste wird bei Armaturen der Wasserfluss gestartet und gestoppt, und das Dusch-WC hat sich zwischenzeitlich zum technischen Lifestyle-Produkt entwickelt. Spätestens mit der Etablierung von LED und Niedervolt-Technologie ist die Verknüpfung des Bades mit smarten Features kein Problem mehr. Mit Bluetooth werden intelligente Spiegelschränke, Dusch-WCs oder Sound-Systeme für das Badezimmer mit dem Smartphone oder dem Sprachassistenten verbunden. In Verknüpfung mit der Haustechnik bieten sich zudem Möglichkeiten, durch Energiemanagement Kosten zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

Technikfinessen im Badezimmer

Tipp 4: Automatische Rollläden halten die Wärme im Haus

Rollläden bilden ein Polster, das die kalte Außenluft daran hindert, die Fenster und die dahinterliegenden Räume runterzukühlen. Mit smarten Rollläden lässt sich genau einstellen, wann dieses Polster zum Einsatz kommen soll: Die Steuerung fährt die Rollläden hoch, sobald die Sonne auf die Fenster scheint. Das entlastet die Heizung tagsüber deutlich. Setzt die Dunkelheit ein, fahren die Rollläden herunter, um die vorhandene Wärme im Inneren zu halten. Die Funkmotorisierung ist eine Grundvoraussetzung für die smarte Rollladensteuerung. Deshalb ist die Nachrüstung bereits elektrisch bedienbarer Rollläden deutlich einfacher und kostengünstiger. Hier rät der Experte, die Installation von einem Fachmann durchführen zu lassen.

Informationen zum Energiesparen mit Rollläden & Sonnenschutz samt Förderung finden Sie hier

Ein smarter Kühlschrank hat seinen eigenen Stromverbrauch im Blick

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Auch beim Dauerläufer Kühlschrank kann mit Smart Home gecheckt werden, wieviel Strom er tatsächlich verbraucht.

Tipp 5: SmartGrid-fähige Küchenhelfer

Vernetzungsfähige Küchengeräte mit dem Fokus auf der regelungstechnischen Steuerung runden das intelligente Wohnen ab. Wer mit seinem Zuhause kommuniziert, lebt angenehmer – ein schönes Beispiel sind der Frühstückskaffee und die frischen Brötchen, die dank smarter Technologie von Kaffeeautomat und Backofen zur Wunschzeit bereitgehalten werden. Dampfgaren, Schnellgaren, Sous-vide-Garen und auch ökologisch nachhaltiges Eco-Dampfgaren: mit der Steamer-Technologie wird das Kochen noch einfacher und das Essen noch schonender zubereitet. In der intelligenten „grünen Küche“ aber noch wichtiger: Wer die richtigen Geräte und die Smart Home Technologie nutzt, kann kräftig Energie sparen. Smarte Geschirrspüler sind zum Beispiel fähig, sich durch Kommunikation mit dem Stromnetz und einem zentralen Energiemanagement-Gerät eigenständig die optimalen Tarifzeiten herauszusuchen.

Wie vernetzte Küchengeräte die Umwelt schonen, erfahren Sie hier

Tipp 6: Intelligente Technik für den Außenbereich

Auch im Garten und auf dem Grundstück kommt die clevere Technik zum Einsatz – vom Rasenmähroboter über die vernetzte Markise bis hin zur automatisierten Bewässerung. Ist die Sprinkleranlage über ein Smart-Home-System mit der Wetterstation vernetzt, wird der Garten ab einem bestimmten Schwellenwert automatisch bewässert. Zieht hingegen Regen auf, bleibt die Sprinkleranlage aus. Das spart kostbares Wasser und optimiert die Versorgung der Pflanzen. Wird die Garten-Beleuchtung in ein Smart-Home-System integriert, geht sie zu einer vorher festgelegten Zeit ganz automatisch an. Um nicht zur zunehmenden Lichtverschmutzung beizutragen und Insekten sowie nachtaktive Tiere zu schützen, sollte der Garten nicht dauerbeleuchtet werden. Eine Zeitsteuerung und/oder Bewegungsmelder sorgen immer dann für Licht, wenn es gebraucht wird. Eine gute Option für die Stromversorgung im Garten sind Energiesäulen, die fest montiert genau dort für einen sicheren Stromzugang sorgen, wo er benötigt wird.

Smart Home Vernetzung im Haushalt

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Im Smart Home sind alle Komponenten sinnvoll miteinander vernetzt

Tipp 7: Smarte Geräte clever vernetzen

Damit alle energiesparenden smarten Geräte effizient zusammenarbeiten, ist die Verbindung der einzelnen Smart Home-Tools und damit die Einbindung in ein Smart Home-System ratsam. Die Basis dafür bildet zum Beispiel eine App, die die einzelnen Komponenten zentral zusammenführt, steuert und für einen automatischen Datenaustausch sorgt. Wer ein Smart Home-System in Betrieb nehmen möchte, hat die Wahl zwischen einem geschlossenen System, das die Produkte eines Herstellers intelligent vernetzt, und einem offenen System, bei dem Geräte von kooperierenden Herstellern integriert werden. Der Vorteil eines in sich geschlossenen Systems ist, dass die Verbindung häufig reibungsloser funktioniert. Ein offenes System hingegen erlaubt eine herstellerunabhängige Auswahl von Smart Home-Produkten. „Allerdings muss hier sehr genau auf die Art der Datenübertragung geachtet werden, damit die Geräte kompatibel sind“, erklärt der Modernisierungsberater.

► Smart Home Komfort durch vernetzte Haustechnik

Kosten & Förderungen für das Smart Home

Wer sich für eine intelligente Steuerung seiner Haustechnik interessiert, sollte einen Blick in die Richtlinie RAL-RG 678 werfen. Diese definiert in den drei "Plus-Ausstattungswerten" Standards mit intelligenter Gebäudetechnik, die neben einer erhöhten Energieeffizienz auch mehr Komfort und Sicherheit bringen. Die Planung im Smart Home sollten Interessierte allerdings besser einem Elektro-Fachbetrieb überlassen, damit neben der Vernetzung auch die Energieeffizienz und vor allem die Sicherheit der Daten gewährleistet ist. Wer sein Haus komplett zum Smart Home optimieren möchte, muss mit Kosten von mindestens 25.000 bis 30.000 Euro rechnen. Um die Kosten zu senken, sollte deshalb unbedingt auch eine Förderung für das Smart Home beantragt werden. Einzelne Maßnahmen sind deutlich günstiger zu haben und werden ebenso gefördert.

In den Programmen 159 und 455 "Altersgerecht Umbauen" fördert die KfW-Bank Baumaßnahmen, die Barrieren reduzieren und eine hohe Wohnqualität gewährleisten. Dazu gehört auch die Nachrüstung einer automatischen Steuerung für Türen, Tore, Fenster und Rollladen.

 

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – was genau wird beim Smart Home gefördert?

  • Gefördert wird als Einzelmaßnahme Smart Home (BEG EM) der "Einbau digitaler Systeme zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung bzw. zur Verbesserung der Netzdienlichkeit der technischen Anlagen des Gebäudes". Das beinhaltet beispielsweise:
  • Smart-Meter, Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik für Heizungs-, Beleuchtungs-, Lüftungs- bzw. Klimatechnik
  • Systeme zur Erfassung und Auswertung von Energieflüssen, Energieverbräuchen, Teilverbräuchen der unterschiedlichen Sparten und Energiekosten
  • elektronische Heizkostenverteiler, Wasser- und Wärmemengenzähler zur Visualisierung und Analyse von Heizwärmeverbräuchen
  • Wohnungsdisplay bzw. Nutzerinterfaces zur Anzeige von aktuellen Daten der Heiz- und Elektroenergie
  • elektronische Heizkörperthermostate / Raumthermostate
  • Integration von Luftqualitätssensoren, Fensterkontakten, Präsenzsensoren, Beleuchtungsaktoren,
  • Systemtechnik für den Datenaustausch hausintern/-extern
  • elektronische Systeme zur Unterstützung der Netzdienlichkeit von Energieverbräuchen (zum Beispiel für Heizung, Kühlung, Lüftung, Warmwasser, Beleuchtung, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, Verbrauch und Erzeugung von erneuerbaren Energien, Haushaltsgeräte)
  • präsenzabhängige Zentralschaltung von Geräten, Steckdosen et cetera
  • baugebundene Bedienungs- und Antriebssysteme für Türen, Innentüren, Jalousien, Rollläden, Fenster,
  • Türkommunikation, Beleuchtung, Heizung- und Klimatechnik
  • intelligente Türsysteme mit personalisierten Zutrittsrechten

Diese Smart-Home-Elemente werden alle inklusive der nötigen Elektroarbeiten gefördert.

Wie hoch ist die BEG-Förderung für das Smart Home?

BAFA-Zuschüsse für das Smart Home
Der Zuschuss vom BAFA beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Ein zusätzlicher Bonus in Höhe von 5 Prozent ist möglich, wenn die Maßnahme im individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) enthalten war = iSFP-Bonus. Die Kosten für die Sanierung müssen sich auf mindestens 2.000 Euro belaufen. Die förderfähigen Kosten für einzelne Sanierungsmaßnahmen sind pro Jahr auf 60.000 Euro pro Wohneinheit begrenzt.

KfW-Kredit für die Komplettsanierung
Alternativ ist eine Komplettsanierung möglich. Dafür kann im KfW-Programm "Wohngebäude – Kredit 261" ein Förderkredit mit Tilgungszuschuss beantragt werden. Maximal 150.000 Euro zinsgünstiger Kredit sind möglich, dazu kommt ein Tilgungszuschuss von maximal 20 Prozent – je nach erreichtem Effizienzhaus-Niveau.
Wichtig: Für alle BEG-Förderungen ist die Einbindung eines Energieberaters / Sachverständigen Pflicht! Zugelassen sind alle Sachverständigen, die in der Expertenliste für Förderprogramme des Bundes geführt sind. Für die dabei entstehenden Kosten gibt es einen Zuschuss für Fachplanung und Baubegleitung in Höhe von 50 Prozent - entweder vom BAFA oder von der KfW, je nachdem, wo die Förderung beantragt wird.

► Mit einer Smart-Home-Checkliste gelingt die Planung

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