Digitalisierung ist nichts für Technik-Nerds, sondern für ganzheitlich denkende Unternehmerpersönlichkeiten. Ein Geschäftsmodell, das ausschließlich auf Technologie setze, die Menschen aber missachte, habe nur geringe Zukunftsperspektiven. Mitarbeiter, Kunden und andere am Prozess Beteiligte werden digitale Prozesse und Produkte nur akzeptieren, wenn sie auch weiterhin im Mittelpunkt des Interesses stehen. Maschinen und Algorithmen werden menschliche Nähe, Service und Einsatzbereitschaft nicht ersetzen.

Junge Frau sitzt vor Laptop

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Wenn man nur einen Chatbot vor sich hat, der nicht versteht, was man möchte, ist man als Kunde schnell enttäuscht.

„Der Corona-Lockdown hat viele Unternehmer schockiert. Zu erleben, wie schnell eine Regierung willkürlich einer ganzen Volkswirtschaft den Stecker ziehen und menschliches Miteinander unterbinden kann, hat viele auf die Idee gebracht, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Automatisierung, Digitalisierung und Algorithmen scheinen vielen das Gebot der Stunde zu sein“, berichtet Melita Dine, Geschäftsführerin einer Gesellschaft für Beratung und Mentoring, aus zahlreichen Gesprächen und Beratungen. Ihre Firma berät Unternehmen hauptsächlich bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, unterstützt aber auch gerade in der jetzigen Krise mit Fördermittelberatung, Krisenmanagement, Sanierung und Restrukturierung.

Kunden wollen echte Gesprächspartner

„Im Moment kommt da alles zusammen“, weiß Dine aus ihrer Praxis. Liquidität sei naturgemäß gerade knapp, gleichwohl müsse mehr denn je investiert und transformiert werden. „Und viele Unternehmen denken nun, wenn ich technisiere, dann kann ich gleichzeitig Personalkosten sparen.“ Vor dieser einfachen Gleichung warnt Melita Dine, die auch Expertin für Vertrauensintelligenz ist. Denn: „Die besten Geschäftsmodelle vereinbaren Technologie und Menschlichkeit.“

Man sei, so Dine, in Deutschland noch nicht soweit, dass man allein irgendwelchen Algorithmen vertraut. Spätestens, wenn es ein Problem, eine Frage oder eine Reklamation gebe, wolle man mit einem verständnisvollen Gesprächspartner reden, der sich bemüht und Abhilfe schafft – und der verantwortlich ist. „In solchen Situationen stoßen Chat-Bots und Künstliche Intelligenzen derzeit noch an ihre Grenzen. Das hat was mit Vertrauen zu tun – und die entsteht nur im menschlichen Miteinander.“ Wer nicht vertraue, der kaufe auch nicht. Vertrauen sei aber gerade derzeit das wichtigste Kapital.

Natürlich, so Dine, müsse man auch der Technik vertrauen. Das sei gut und zeitgemäß. Aber es gehe eben nicht ohne Menschen. „Die Aufgabe im Moment ist, die digitale Transformation so zu gestalten, dass sie von Kunden, Mitarbeitern und Netzwerkpartnern akzeptiert wird, sie als Persönlichkeit mitgenommen und eingebunden werden. Digitale Geschäftsmodelle und Prozesse sind keine rein technologische Entscheidung. Sie rentieren sich nur dann, wenn sie allen Beteiligten Mehrwerte bieten, sprich die Arbeit erleichtern, mehr Freiräume für Kreativität schaffen oder mehr Service in der Wertschöpfungskette bieten. Alles andere hat keine Zukunft“, erklärt Dine.

Fachanwältin und Mediziner im Gespräch

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Vertrauen entsteht nur im Zwischenmenschlichen. Eine künstliche Intelligenz kann diese Beratungsleistung nicht erbringen.

Förderungen nutzen

Um gerade jetzt in digitale Geschäftsmodelle zu investieren, rät sie dazu, die derzeit attraktiven öffentlichen Fördermöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, KfW-Darlehen etwa. Besonderes Augenmerk sollten gerade kleine Unternehmen auf das Programm „go digital“ des Bundeswirtschaftsministeriums legen. „Hier gibt es einen echten, nicht rückzahlbaren Zuschuss bis zu 16.500 Euro für eine Beratung rund um die digitale Transformation. Das lohnt sich in der Regel“, so Dine abschließend.