"Liebe ist kompliziert. Immer", so Alain de Botton. "Würde ich einen Airbus fliegen, ohne es gelernt zu haben?! Bei etwas so Wichtigem wie der Liebe aber meinen wir zu wissen, wie's geht. Doch Liebe ist kein Gefühl, keine natürliche Begabung. Sondern eine Fähigkeit, die wir erlernen sollten." Dem eignen Herzen zu folgen, kann die Liebe zerstören, so der Philosoph. "Erst wenn wir unsere romantischen Vorstellungen über Bord werfen, können wir beginnen, richtig zu lieben." "Richtig lieben" heißt für Alain de Botton: "Jemandem trotz seiner Ecken und Kanten zugeneigt zu sein - das ist wahre Liebe. Ihn auch im Pyjama zu mögen. Bewunderung. Zärtlichkeit. Ja, ich glaube an die wahre Liebe. Nur denke ich, sie wird völlig falsch verstanden."

Perfektion gibt es nicht

Der größte Irrtum in der Liebe ist für ihn die Vorstellung einer perfekten Partnerschaft. "Wir sollten die Vorstellung aufgeben, mit irgendeinem Wesen innerhalb dieser Galaxie eine ideale Partnerschaft haben zu können. Es wird immer nur eine Partnerschaft geben, die 'gut genug' ist. Denn: Nichts ist perfekt. Jeder Mensch hat seine Macken. Jeder. Wahre Reife beruht darauf, sich der eigenen Verrücktheit, der eigenen Unvollkommenheit bewusst zu sein - und sie auch beim anderen als gegeben hinzunehmen." Alain de Botton rät: "Wir sollten lernen, zugleich Lehrer und Schüler zu sein, unsere Partnerschaft als gemeinsames Wachsen und Teilen anzusehen. Wir können einander liebevoll helfen, die beste Version von uns selbst zu sein. Und: Zur Liebe gehört beides - lieben und geliebt werden. Wir vernachlässigen oftmals das Lieben."