Einfach den Hahn aufdrehen und das Wasser läuft: Die Verfügbarkeit von Trinkwasser ist in Deutschland selbstverständlich. Dabei gibt es hierzulande einen starken Wasserrückgang. Eine Auswertung von Satelliten-Daten zeigt, dass Deutschland innerhalb von 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren hat. Der Weltklimarat bezeichnet „Wassernot“ sogar als größte Gefahr für Europa.

Wer deshalb Wasser sparen möchte, kann das mit nur wenig Aufwand tun. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

Kurzfilm "Wohin unser Wasser geht" von National Geographic

Zum Kurzfilm "Wohin unser Wasser geht"

Der preisgekrönte Fotograf und Filmemacher Florian Schulz begab sich dafür auf eine Exkursion in den Schwarzwald, um herauszufinden wie sich die heißen Sommer und Dürreperioden auf die Umwelt ausgewirkt haben, ob Deutschland auf den Klimawandel vorbereitet ist und was Haushalte bereits tun, um Wasser zu sparen. Die spannenden Erkenntnisse teilt er in einem dreieinhalbminütigen Kurzfilm.

"Die Dürreperioden der letzten zwei Jahre haben dazu beigetragen, dass über eine Million Bäume in Deutschland starben", berichtet Schulz. Zudem hatten Haushalte Schwierigkeiten, ihren Trinkwasserbedarf zu decken: "Im trockenen Sommer 2018 haben besonders kleine Gemeinden oder Einzelgehöfte Probleme bekommen, weil die Quellen versiegt sind", erklärt Prof. Dr. Kerstin Stahl aus der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg im Gespräch mit Schulz. Deshalb musste in einigen Bereichen des Schwarzwaldes das Trinkwasser extra mit dem Tanklaster zugeliefert werden.

Wasserrückgang und erhöhter Wasserverbrauch

In Deutschland macht sich ein Wasserrückgang bemerkbar: Der Grundwasserspiegel sinkt, gleichzeitig wächst die Gefahr für Waldbrände. Hauptgrund ist der Klimawandel. „Die steigenden Temperaturen führen zu mehr Verdunstung“, erläutert Sascha Schneiderwind, Umwelt- und Klimaschutzexperte von ERGO. „Gleichzeitig fließt durch vermehrt auftretenden Starkregen mehr Wasser ab, das nicht versickern kann.“

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Hinzu kommt ein hoher Wasserverbrauch: 2021 hat jeder Deutsche durchschnittlich 127 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht.

Wasser sparen im Badezimmer

36 Prozent des täglich verbrauchten Trinkwassers fließen in Dusche, Badewanne und Waschbecken, 27 Prozent in die Toilettenspülung. Wer duscht, statt zu baden, kann jedes Mal bis zu 100 Liter Wasser sparen. Um den Verbrauch zusätzlich zu senken, den Duschhahn beim Einseifen zudrehen.

Frau duscht sich kalt ab

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Auch wenn's total schön und angenehm ist: Lassen sie das Wasser in der Dusche nicht permanent laufen.

Schneiderwind empfiehlt zudem, einen wassersparenden Duschkopf, gekennzeichnet mit „eco“ oder „sparsam“, zu verwenden. Damit lässt sich die benötigte Wassermenge um 50 Prozent reduzieren. Wer nur jeden zweiten Tag duscht und sich ansonsten mit einer „Katzenwäsche“ begnügt, schont gleichzeitig die Haut. Mit dem Duschrechner der Verbraucherzentrale können Interessierte ihren eigenen Wasserverbrauch herausfinden.

Am Waschbecken lässt sich sparen, indem alte Zweigriffarmaturen durch Einhandhebelmischer ersetzt werden. Damit lässt sich die Temperatur schneller regeln, das senkt den Warmwasserverbrauch, der besonders viel Energie benötigt. Außerdem kann das Wasser schneller an- und ausgestellt werden. Auch die Wasserhahndichtungen sollten Sie regelmäßig erneuern. Tropft ein Wasserhahn 24 Stunden, kann das bis zu zehn Liter Wasser verschwenden. Beim alltäglichen Gebrauch darauf achten, den Hebel immer nach rechts (kalt) zu drehen und das Wasser nur laufen zu lassen, wenn es wirklich nötig ist.

„Das heißt: Beim Einseifen der Hände und während des Zähneputzens den Hahn abstellen“, so Schneiderwind. „Hilfsmittel wie ein Durchflussbegrenzer können den Verbrauch zusätzlich reduzieren, beim Händewaschen beispielsweise um bis zu 60 Prozent.“ Für die Toilette gilt: Spar-Spülkästen und -tasten senken den Verbrauch pro Spülung um mehrere Liter.

Mehr Nachhaltigkeit im Badezimmer

Mann und Frau putzen sich die Zähne

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Drei Minuten soll man putzen - wie viel Wasser geht da verloren, wenn man den Hahn laufen lässt?! Also: Abstellen!

Mit dem richtigen Verhalten im Haushalt Wasser sparen

Das Umweltbundesamt appelliert an die Bevölkerung, mit Wasser - insbesondere mit Warmwasser - sorgsam umzugehen. Jedes Jahr könnten allein 15 Milliarden Liter eingespart werden, wenn alle Deutschen mit dem Vorspülen aufhören würden. Das ist die gesamte Füllmenge des Berliner Wannsees oder von 6.000 olympischen Schwimmbecken.

„Wie sensibel das Wasserkreislaufsystem in Deutschland ist, welche Faktoren das Gleichgewicht stören und wo Engpässe mit Folgen für Natur und Mensch drohen, ist vielen nicht klar. Es wird immer noch Wasser verschwendet. Circa 44 % der Deutschen spülen beispielsweise ihr Geschirr noch vor, bevor es in die Maschine kommt, und vergeuden damit jedes Mal bis zu 24 Liter wertvolles Trinkwasser. Wir wollen den Menschen bewusst machen, dass sie mit einer kleinen Änderung ihrer Gewohnheit bereits einen Beitrag leisten können, Wasser und Energie zu sparen und dazu auch noch Zeit gewinnen“, sagt Xenia Barth, Regionaldirektorin bei einem Hersteller für Wasch- und Reinigungsmittel.

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Frau räumt Spülmaschine ein oder aus

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Die Maschine bekommt normal verschmutztes Geschirr sauber, ohne dass man es vorspülen muss.

Wasser sparen in der Küche

„Die Leistung der Geschirrspülmaschinen und Maschinengeschirrspülmittel heutzutage macht Vorspülen von Geschirr, das in der Geschirrspülmaschine gereinigt wird, überflüssig“, erklärt Prof. Dr. Rainer Stamminger, der an der Universität Bonn zu Haushalts- und Verfahrenstechnik lehrt und forscht. „Vorspülen des Geschirrs und jeder weitere unnötige Gebrauch von Wasser im Haushalt erhöhen nicht nur den Wasser-, sondern auch den Energiekonsum. Denn nicht nur warmes Wasser benötigt Energie, sondern auch die Bereitstellung des Trinkwassers und die Wiederaufbereitung des Abwassers in der Kläranlage. Das wiederum wirkt sich negativ auf die CO2-Bilanz und den Treibhauseffekt aus. Diese Folgewirkung ist vielen nicht bewusst“, so Stamminger.

Obst und Gemüse müssen nicht unter fließendem Wasser gewaschen werden. Sparsamer ist das Waschen in einer Schüssel, das Wasser kann anschließend beispielsweise zum Gießen verwendet werden. Sascha Schneiderwind erläutert: „Wer beim Einkaufen zu saisonalen und regionalen Produkten greift, tut ebenfalls etwas für die Umwelt. Denn unter anderem wird für deren Erzeugung in der Regel viel weniger Wasser benötigt.“

Für die Waschmaschine gilt, was auch für die Geschirrspülmaschine gilt: Erst laufen lassen, wenn sie vol ist - und ohne Vorwäsche. Wer noch ältere Geräte besitzt, sollte sich über eine Neuanschaffung Gedanken machen, denn moderne Maschinen verfügen meist über eine bessere Energieeffizienz und einen niedrigeren Wasserverbrauch. Als Richtwert empfiehlt der Umwelt- und Klimaschutzexperte bei Waschmaschinen einen Verbrauch von nicht mehr als zehn bis zwölf Litern pro Kilo Wäsche.

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Im Garten Wasser sparen

Gartenbesitzer können mit einer preiswerten Regentonne (erhältlich im Baumarkt) beim Gießen viel Wasser sparen.  „Wichtig ist, darauf zu achten, die Tonne nur bei Regen zu öffnen. So verdunstet nichts und es besteht auch nicht die Gefahr, dass durstige oder neugierige Tiere hineinfallen“, so Schneiderwind.

Regenwassernutzung im Garten

Den Rasen mit Trinkwasser sprengen sollten Gartenbesitzer wirklich nur bei extremer Trockenheit und nur morgens oder abends. Außerdem kann es sinnvoll sein, nicht jede Woche zu mähen. „Denn häufiges Kürzen trocknet den Rasen aus und sorgt dafür, dass er mehr Wasser benötigt“, ergänzt Schneidewind.

Regenwasser effektiv nutzen

Automatische Garten-Berregnung

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Mit automatisch gesteuerten Bewässerungssystemen lässt sich auch im Garten viel Wasser sparen.

Trockenheit sorgt für Wasserknappheit in der Natur

Christin Zeitz, Dipl.-Geoökologin beim ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, erläutert: "Durch die öffentliche Wasserver- und Abwasserentsorgung werden jährlich ca. 3,6 Milliarden m3 Grundwasser von dem Speichermedium Grundwasser hin zu Oberflächenwasser verfrachtet. Ein Ungleichgewicht, das normalerweise durch die natürliche Grundwasserneubildung abgepuffert wird.“

In Zeiten von lang anhaltender Trockenheit wie in 2018 und 2019 gehen die Grundwasserbestände allerdings zurück, wie das UBA berichtet. Das bedeutet, dass es in stark betroffenen Regionen zum Wassermangel in der Natur kommen kann. Etwa 70 Prozent unseres Trinkwassers stammen laut UBA aus dem für die Pflanzenwelt wichtigen Grund- und Quellwasser.

Badewasserqualität an Badeseen in Baden-Württemberg