Wenn es geschneit hat, verwandelt sich der dunkle Tannenforst in einen hellen Zauberwald.

Winterwandern im Schwarzwald: Die 10 besten Tipps

Die Luft ist kalt und klar, der Himmel strahlend blau. Gestern hat es geschneit im Schwarzwald, nun scheint die Sonne. Der ideale Tag zum Winterwandern, auf einer dicken Schneedecke, die wie ein weißer Samtteppich über der Landschaft liegt. Die Tour startet in Unterkirnach, einem Dorf im Mittleren Schwarzwald, sieben Kilometer westlich von Villingen-Schwenningen. Rund 800 Meter hoch liegt das Plateau, auf dem der Winterwanderweg Groppertal zumeist verläuft. Ein Tal übrigens, von dem man selbst als Schwarzwaldkenner kaum etwas gehört hat, aber dazu später mehr.

Schöne Heimat - Unser Schwarzwald

Groppertal-Winterwanderung kompakt

Start und Ziel: Unterkirnach, Kirnachmühle
Strecke: knapp 12 km
Gehzeit: 4 Stdn.
Höhenunterschied: 185 m
Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel

Anreise: Parkplätze gibt’s am Rathaus Unterkirnach oder an der Kirnachmühle. Wer mit der Bahn kommt, fährt bis Villingen und steigt dann in den Bus Nr. 61 nach Unterkirnach, Kirnachbrücke. www.bahn.de

Der Wanderweg: Der Winterwanderweg durch das Groppertal ist keine durchgängig beschilderte Tour, sondern ein Routenvorschlag, der unter anderem auf www.outdooractive.com zu finden ist. Achtung: Am Obergropperhof nach der Bahnlinie auf der anderen Talseite den Höhenweg Richtung Meleck und „Forelle“ nehmen – und nicht entlang der Straße gehen, wie in der Karte empfohlen.

Einkehr: Das Gasthaus Breitbrunnen, kurz vor dem Ende der Tour, ist die ideale Wandereinkehr. Die Küche ist eine reizvolle finnisch-deutsche Mischung, Ruhetage Montag und Dienstag. Empfehlenswert ist auch das Schlossbergstüble in Unterkirnach.

Weitere Infos bei der Tourist Information Unterkirnach.

Wanderkarten-Ausschnitt Groppertal im Schwarzwald bei Unterkirnach

MEIN LÄNDLE/Andreas Steidel

Alles funkelt und glitzert

Am Hinterwasenhof, kurz nach dem Ortsende, beginnt eine andere Welt. Die letzten Häuser verschwinden, und über strahlend weiße Felder geht es in den Wald hinein. Überall funkelt und glitzert es, als ob jemand Kristalle ausgeschüttet hätte. Gut 30 Zentimeter Neuschnee mögen es sein, die nun gewichtig auf den Zweigen lasten. O Tannenbaum, wie schwer sind deine Blätter.

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Das erste Stück ist eine kilometerlange Gerade. Wie auf einer Prachtallee stehen hohe Fichten und Tannen Spalier. Zwischendurch ein paar Birken, deren weiße Rinde jetzt wie eine Tarnfarbe wirkt. Alles ist bestens geräumt, Väter und Mütter ziehen ihre Kinder auf Schlitten durch den Wald.

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Kohlwaldweg heißt dieser Abschnitt: Die Winterwanderung durchs Groppertal ist keine durchgängig beschilderte Tour, sondern ein Rundweg, den man sich mithilfe von Karten oder der Outdooractive-Vorlage aus dem Internet zusammenstellen muss.

Hinterwasenhof im Schwarzwald im Schnee

MEIN LÄNDLE/Andreas Steidel

Spätestens am Hinterwasenhof beginnt der Erholungseffekt – man wähnt sich in einer anderen Welt.

Hirsche im Schnee

Das stellt keine große Herausforderung dar, nur an den Wegkreuzungen muss man aufpassen. Eine dieser Kreuzungen ist am Wildgehege Salvest. Rund 20 Damhirsche spazieren hier durch den Schnee, grazile Wesen, die nicht mit den viel wuchtigeren Rothirschen oder kleineren Rehen zu verwechseln sind. Eine Hinweistafel erklärt die Unterschiede genau.

Danach geht es an einer T-Kreuzung links weiter, stets dem Salvestweg nach. Es wird nun immer ruhiger, die meisten Ausflügler geben sich mit dem Wildpark und dem angrenzenden Spielplatz zufrieden. Dunkel ist es nun, fast ein wenig mystisch, immer mal wieder muss man einen Holzwegweiser vom Schnee befreien, um ihn auch lesen zu können.

Dann wird es wieder hell. Eine Lichtung und ein Weiler mit einem Bauernhaus folgen: der Obergropperhof. Zur Rechten steht eine Kapelle, um sie herum dick aufgeschichtetes Holz, das ein weißer Kamm aus Neuschnee krönt. „Hallo Oma“ hat jemand mit den Füßen in großen Lettern in die Landschaft geschrieben, ein übermütiger Gruß der Enkel.

Damwild im Wildgehege Salvest im Winter

MEIN LÄNDLE/Andreas Steidel

Unterwegs erfreuen die Damhirsche im Wildgehege Salvest.

Im Tal der Brigach

Nun ist man tatsächlich im Groppertal angekommen. Es heißt so, weil hier gleich mehrere dieser alten Gropperhöfe die Hangwiesen säumen. Durch die Talsohle fließt ein kleiner Fluss: die Brigach. Fröhlich gurgelt sie zwischen den vereisten Ufern hindurch, gut zehn Kilometer zuvor ist sie im gleichnamigen Ort entsprungen. Man kennt sie als einen der beiden Quellflüsse, die die Donau speisen: „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg.“ Viele sprechen daher auch nur vom Brigachtal, wenn sie hier unterwegs sind, das Groppertal ist kein eigenes Tal, sondern lediglich ein Abschnitt davon.

Rodelhang am Brigachlift

Pfade der Stille

Hier nun führt der Weg über den Fluss und die Bahnstrecke, steigt auf der anderen Talseite hinauf und geht auf einem Höhenweg in Richtung „Forelle“ weiter. Ganz dicht ist der Wald hier, ein Pfad führt mitten durch den verschnei­ten Forst. Immer wieder muss man den Kopf einziehen, wer nicht aufpasst, streift mit der Pudelmütze den Schnee von den herunterhängenden Ästen ab.

Das Gasthaus Forelle ist schon seit längerer Zeit kein Ausflugslokal mehr. Nach 37 Jahren wurde es Anfang 2018 geschlossen, kein Personal mehr, keine Nachfolger. Daher heißt es nun: weitermarschieren. Am Schotter- und Granit­steinbruch vorbei über die Straße und den Fluss, zurück in Richtung Unterkirnach. Es ist ein malerischer Rückweg, der nach der Brigach rechts abzweigt und gleich links wieder in den Wald einmündet. In einer lang gezogenen Kurve geht es nach oben. Auf der einen Seite dicht verschneite Tannen, auf der anderen schneeweiße Wiesen und Bauernhöfe. Nur wenige Menschen verirren sich hierher, jeder einzelne Schritt hinterlässt tiefe Spuren im Schnee.

Schneebedeckter Holzstoß im Schwarzwald beim Obergroppenhof

MEIN LÄNDLE/Andreas Steidel

Malerische Schneekrone auf dem Holzstoß beim Obergropperhof.

Fast finnisch

Nun knurrt der Magen doch ein wenig. Etwas Warmes wäre schön, ein Kaffee oder ein Glühwein, ein Stück Kuchen oder ein ordentliches Wandervesper. Da erscheint, wie ein Geschenk des Himmels, der Wegweiser zum Gasthaus Breitbrunnen, einem Ausflugslokal mitten in der Landschaft, sommers wie winters geöffnet. Das Gute ist, dass der Wanderer am Breitbrunnen über drei Viertel der Strecke hinter sich hat. Steigungen gibt es ab jetzt keine mehr, nur noch ein paar genussreiche letzte Meter durch den Wald.

Zeit also für eine Einkehr in einem Lokal unter recht außergewöhnlicher Leitung: Eine Finnin hat 2019 die beliebte Waldgaststätte übernommen. Und so gibt es hier auch ungewöhnlich nordische Gerichte: „Finnische Ohrfeigen“ zum Beispiel, hinter denen sich äußerst schmackhafte Zimtschnecken verbergen, oder „Finnischen Hackfleisch-Krautauflauf mit Preiselbeeren“. Wer will, kann freilich auch deutsch essen, Eeva Karjalainens Partner Andreas Manns stammt aus hiesigen Breiten.

Der Wald der Köhler

Derart gestärkt geht es auf die Zielgerade. In den Wäldern zwischen Groppertal und Unterkirnach gibt es glücklicherweise viele Schilder. Kurz nach dem Breitbrunnen steht nochmals eine große Wegweisertafel mit Landkarte. Das erleichtert die Orientierung. Ein Foto mit dem Smartphone, und nichts kann mehr schiefgehen.

Einen guten Kilometer führt der Weg schnurgerade durch den Wald. Dann stößt er wieder auf jenen Kohlwaldweg, der ganz am Anfang der Tour stand. Er gehört zum Unterkirnacher Geschichtspfad, der in 25 Stationen die Kulturhistorie der Region erklärt. Der Name „Kohlwaldweg“ geht auf die Köhler zurück, die hier im Schwarzwald einst Holzkohle produzierten, Brennstoff für die Eisen- und Glashütten. Um 1900 gab der letzte Unterkirnacher Köhler auf.

Bauernhaus im Groppertal im Schwarzwald im Schnee

MEIN LÄNDLE/Andreas Steidel

Zwischen den Zweigen lugt ein Groppertäler Bauernhaus hervor.

Schöne kurze Tage

Das Finale: Der Winterwanderweg verlässt nun den Wald und geht hinaus auf die offenen Ackerflächen. Die Sonne steht sehr tief, demnächst wird sie untergehen. Im Winter sind die Tage kurz und schnell vorbei. Die knapp zwölf Kilometer lange Runde darf man in dieser Jahreszeit denn auch als gemütliche Tagestour angehen.

Ausflugsziel-Tipps finden Sie hier!

Sie gehört nicht zu den großen Top-Ausflugszielen, an denen sich sonntags alle drängeln. Eher ein Geheimtipp für Genießer. Und solche, die schon immer wissen wollten, wo nun genau der Unterschied zwischen dem Brigach- und dem Groppertal liegt.

Der besondere Tipp

Kirnachmühle: Jeden Dienstagvormittag findet in Unterkirnach eine Führung durch die Kirnachmühle statt, dem Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung. Sehens­wert ist auch das große hölzerne Mühlrad. Der Ort ist zudem Schauplatz vieler Brauchtumsveranstaltungen wie der Fasnet.

Mehr zur Kirnachmühle

Altstadt Villingen: Im badischen Teil der benachbarten Doppelstadt Villingen-Schwenningen hat sich ein interessantes historisches Zentrum erhalten. Münsterplatz, Stadtmauer, Stadtbrunnen und das Franziskaner-Kulturzentrum mit einer Ausstellung zur Stadtgeschichte sind die Besuchermagnete.

Auch toll: Das Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen

Bad und Sauna: Wer nach der Wanderung entspannen will, kann in das Allwetter-Bad Aqualino in Unterkirnach eintauchen. Geöffnet für alle täglich außer donnerstags, dann ist dort jedoch Saunatag. www.foerderverein-aqualino.de Wer eine etwas größere Wellnesslandschaft sucht, ist in der Therme Solemar in Bad Dürrheim richtig.