Grüner Strom vom eigenen Balkon mit einer kleinen Solaranlage – gerade in Zeiten von Gasknappheit und hohen Strompreisen ist diese Option sowohl für Eigentümer als auch Mieter interessant. Doch wie funktionieren die Steckermodule, was gibt es bei der Nutzung zu beachten und wo werden Balkonanlagen bezuschusst?

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Die wichtigsten Tipps im Überblick

Was ist ein Stecker-Solargerät überhaupt und wo kann es eingesetzt werden?

Mini-Solaranlagen sind Strom erzeugende Haushaltsgeräte für den Eigenbedarf und können maximal 600 Watt elektrische Leistung erzeugen. Privatpersonen können solche Stecker-Solargeräte selbst anbauen, anschließen und nutzen. Geeignet für den Aufbau sind Balkonbrüstungen, Außenwände, Dächer, Terrassen und Gärten.
Zusammengesetzt sind die Solargeräte aus Standard-Solarmodulen und einem Wechselrichter, der den Gleichstrom der Solaranlage in 230-Volt-Wechselstrom für Haushaltsgeräte umwandelt. So fließt der selbsterzeugte Strom in die Steckdose am Balkon und versorgt von dort Fernseher, Kühlschrank oder Waschmaschine, die an anderen Steckdosen in der Wohnung angeschlossen sind.

Eigener Solarstrom für Eigentümer und Mieter

Stecker-Solargeräte bestehen aus ein oder zwei Solarmodulen. Ein Modul hat die Größe von zwei kleineren Fußabtreter-Matten (ca. 1 x 1,70 Meter) und generiert eine Leistung von bis zu 300 Watt. Solche Mini-Solaranlagen bieten damit nicht nur Eigentümern, sondern auch Mietern die Möglichkeit, Solarstrom selbst zu nutzen und den Strombezug aus dem Netz zu reduzieren.

Sonnenkollektoren an einem Mietshaus

cgj0212/iStock/Getty Images Plus

Mit Mini-Solaranlagen können auch Mieter eigenen Strom erzeugen.

Was kosten Stecker-Solargeräte?

300-Watt-Module samt Wechselrichter sind einschließlich Montagevorrichtung ab 350 Euro erhältlich und erzeugen je nach Standort bis zu 300 Kilowattstunden Strom im Jahr. Die meisten Modelle bewegen sich in einem Preisrahmen zwischen 400 und 1.000 Euro, je nach Leistung und Zubehör. Der Preisrahmen reicht bis knapp 3.000 Euro.

Rechnet sich so eine Mini-Solaranlage?

Je nach Haushaltsgröße können Balkonkraftwerke den Stromverbrauch um bis zu 20 Prozent reduzieren. Wann sich die Anlage rentiert, hängt dabei von den Anschaffungskosten, der produzierten Strommenge, und dem Strompreis ab. Oft dauert es nur noch rund fünf Jahre, bis sich die Solaranlage amortisiert hat, in anderen Fällen kann es auch 8 bis 10 Jahre dauern. In jedem Fall lohnen sich die Geräte, schließlich liefern hochwertige Module auch 20 bis 30 Jahre Solarstrom. Außerdem können die Mini-Anlagen unkompliziert bei einem Umzug mitgenommen oder anders platziert werden, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

Wie werden Balkonkraftwerke gefördert?

Immer mehr Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg bezuschussen die Anschaffung von Mini-Solaranlagen. Die Antragstellung ist meist unkompliziert, in vielen Fällen reicht eine Rechnungskopie und ein Fotonachweis über die sachgemäße Anbringung. Allerdings fallen die genauen Fördermodalitäten jedes Mal unterschiedlich aus, zudem kommen immer wieder neue Städte hinzu. Um sicherzugehen, ob Zuschüsse gewährt werden und wie hoch diese ausfallen, lohnt sich die Nachfrage bei der jeweiligen Gemeinde oder ein Blick in die jeweiligen Förderrichtlinien. Oft sind die Fördertöpfe auch begrenzt und werden im Laufe des Jahres ausgeschöpft – der Antrag sollte daher früh gestellt werden.

Eine Mini-Solaranlage auf einem Holzunterstand

Nils Rübelmann

Diese Steckermodule auf einem Holzunterstand förderte die Stadt Weinheim mit insgesamt 100 Euro.

Wie hoch die Zuschüsse sind, unterscheidet sich von Ort zu Ort. Die Stadt Weinheim gehört zu den Vorreitern der Förderung von Balkonmodulen. Bereits seit 2020 gibt es hier einen Fördertopf in Höhe von 2.000 Euro, der unter Umständen auch überschritten werden kann. Pro Modul wird ein Zuschuss von 50 Euro gewährt werden, möglich ist die Antragstellung für zwei Module – unterm Strich gibt’s also 100 Euro. Deutlich mehr Geld gibt es in Schwetzingen. Hier wird die Neuanschaffung eines Balkonkraftwerks mit bis zu 300 Euro gefördert, jedoch maximal 30 Prozent des Anschaffungswertes. Spitzenreiter in Baden-Württemberg ist die Stadt Heidelberg. Hier übernimmt die Stadt die Hälfte der Kosten bis zu 750 Euro. Bürger mit einem Heidelberg-Pass erhalten sogar bis zu 1450 Euro Förderung bei einem Eigenanteil von 50 Euro.

Hier gibt es Förderung fürs Balkonkraftwerk

  • Filderstadt fördert die Anschaffung von Steckermodulen mit 150 Euro pro Haushalt.
  • In Freiburg gibt es bis zu 200 Euro pro Anlage und pro Antragsteller.
  • Friolzheim zahlt pauschal 100 Euro für die Anschaffungskosten.
  • Heddesheim fördert jedes Modul mit 100 Euro, maximal jedoch zwei Module.
  • Heidelberg übernimmt seit September 2022 die Hälfte der Kosten für die Neuanschaffung eines Balkonkraftwerks bis zu 750 Euro, Inhaber des Heidelberg-Passes bekommen sogar 1450 Euro bei einem Eigenanteil von 50 Euro.
  • Kehl bezuschusst im Rahmen des Förderprogramms „Klimafreundlich Leben“ jeden Antragsteller mit 200 Euro. Sozial schwächere erhalten mit Nachweis über die Bedürftigkeit sogar 300 Euro.
  • In Neubulach gibt es einen Zuschuss von 50 Euro pro Modul, 100 Euro für zwei Anlagen.
  • Schwetzingen fördert die Anschaffung einer Mini-Solaranlage mit bis zu 300 Euro, maximal aber 30 Prozent des Kaufpreises.
  • Stuttgart gewährt im Rahmen der Solaroffensive einen pauschalen Zuschuss von 100 Euro pro Modul.
  • Ulm fördert Miniphotovoltaikanlagen bis 600 Watt mit 250 Euro pro Haushalt.
  • Walldorf zahlt seinen Bürgern bis zu 300 Euro pro Wohneinheit, allerdings höchsten 50 Prozent der anrechenbaren Kosten.
  • Weinheim zahlt pro Modul 50 Euro und bezuschusst maximal zwei Module.

Checkliste für die Nutzung von Stecker-Solargeräten

  1. Erlaubnis: Für Miet- und Eigentumswohnungen bedarf es der Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft, um Solarmodule an der Brüstung oder Hauswand anbringen zu können. Eigentümer:innen können frei über die Anbringung an Balkon, Terrasse, Vordach oder Garage entscheiden.
  2. Beim Kauf auf Sicherheitsstandards achten: Nur steckfertige Geräte kaufen und bei der Auswahl auf die Einhaltung des Sicherheitsstandards der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS 0001:2019-10) achten.
  3. Module richtig ausrichten für maximalen Ertrag: Den besten Ertrag liefern Module, die unverschattet zur Südseite ausgerichtet sind. Die Geräte müssen sturmfest montiert sein.
  4. Stecker-Solargeräte anmelden und in Betrieb nehmen: Stecker-Solargeräte müssen beim örtlichen Stromnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur (Marktstammdatenregister) angemeldet werden. Das entsprechende Formular dürfen Mieter/Eigentümer selbst ausfüllen. Leider erschweren einzelne Netzbetreiber den Anschluss von Stecker-Solargeräten oder verlangen unzulässige Entgelte für den ggf. notwendigen Zählertausch. Den Betrieb verbieten dürfen sie nicht.

Was muss ich noch über Stecker-Solargeräte wissen?

  • Stecker-Solargeräte produzieren Solarstrom nur für den eigenen Bedarf. Sie sind nicht für eine Einspeisung ins Stromnetz gedacht.
  • Mithilfe eines Strommessgeräts lässt sich überprüfen, wie viel Strom produziert wird. Manche Solargeräte haben auch einen Wechselrichter mit Leistungsmessung.
  • An einen Stromkreis sollte immer nur eine Mini-Solaranlage angeschlossen werden. Niemals mehrere Solargeräte mit einer Mehrfachsteckdose verbinden!
  • Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt einen Elektrofachbetrieb prüfen, ob der Stromkreis für die Solar-Einspeisung geeignet ist.