Bereits in der Antike (250 v. Chr.) gab es zu Ehren der mythologischen Mutter-Gottheiten Gedenkfeiern. Die Ursprünge des Muttertags lassen sich bis zu den Verehrungsritualen der Göttin Rhea im antiken Griechenland sowie dem Kybele- und Attiskult bei den Römern zurückverfolgen.

Scharzweißfoto von Mutter und Tochter Mitte 20. Jhd.

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Mutter und Tochter Mitte des 20. Jahrhunderts - hier war der Muttertag in Europa und den USA schon fest etabliert.

Der Muttertag, wie wir ihn heute verstehen und begehen, hat seine historischen Wurzeln aber im sogenannten „Mothering Sunday“ am Sonntag Lätare (2. Sonntag im Mai „Mitfasten“). Im 13. Jahrhundert führte ihn Heinrich III. in England offiziell ein. Dabei handelte es sich noch um einen teils weltlichen, teils geistlichen Kirchen- und Familienbesuchstag. 200 Jahre später hatte sich der einst kirchliche Anlass zum reinen Familienfest gewandelt, an dem alle Kinder ihre Mütter besuchten (go a-mothering) und sie mit kleinen Geschenken oder selbstgebackenem Kuchen, dem mothering cake, überraschten.

Vom Mothering-Day zum Muttertag

In seiner heutigen Form wurde der Muttertag in der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung geprägt. Ab den 1860er-Jahren entstanden auch in Europa diverse Frauenbewegungen und Frauenvereine, die sich neben Friedensprojekten und mehr Frauenrechten auch für bessere Bildungschancen für Mädchen einsetzten. In den 1890ern wurde der Internationale Frauenrat gegründet, der in internationalen Frauenkongressen auch für mehr Anerkennung der Mütter eintrat.Von England gelangte der Mothering Sunday nach Amerika und erhielt seine moderne Fassung im Jahre 1907 auf Initiative von Ann Jarvis, der Tochter eines Methodistenpredigers. Sie wollte das Werk ihrer Mutter, die sich für die Frauenbewegung einsetzte, in Erinnerung und Ehren halten und organisierte erstmals ein "Memorial Mothers Day Meeting". Bereits im Jahr 1909 wurde der Muttertag in den meisten amerikanischen Staaten begangen, bis US-Präsident Woodrow Wilson ihn im Jahr 1914 von Staatswegen zum Ehrentag der Mütter ernannte.

Mutter und Sohn

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Heute wird der Muttertag als zwangloses Familienfest gefeiert und ist völlig unpolitisch.

Nach der erfolgreichen Pionierarbeit von Anna Jarvis setzte sich der Muttertag nach dem ersten Weltkrieg auch auf dem europäischen Festland durch. In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. Mit Plakaten in Schaufenstern, kleineren Werbekampagnen und Veranstaltungen bis hin zu Muttertagspoesie wurde dem ersten deutschen Muttertag am 13. Mai 1923 durch den Vorsitzenden des Verbandes, Rudolf Knauer, der Weg bereitet. Durch den Mutterkult der Nationalsozialisten erfuhr der Muttertag dann starken, wenn auch zweifelhaften Aufschwung. In der DDR wurde statt des Muttertags der internationale Frauentag am 8. März gefeiert.

Kein gesetzlicher Feiertag

Befreit von jeglicher falschen Ideologie begeht man den Muttertag heute als fröhliches Familienfest. Kinder beschenken ihre Mama an diesem Tag mit Selbstgebasteltem, Gedichten und Blumen oder gönnen ihr einfach mal „Urlaub“ vom Alltag. Der Muttertag ist nicht gesetzlich verankert, vielmehr basiert dessen Datum auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden. Die Floristenverbände in Deutschland haben den zweiten Sonntag im Mai als Muttertag festgelegt.

Der nicht-gesetzliche Feiertag hat hinsichtlich des Blumenverkaufs eine Sonderstellung. So dürfen Blumenläden an diesem Tag in aller Regel geöffnet bleiben. In Baden-Württemberg gilt dies jedoch nicht, wenn der Muttertag auf einen gesetzlichen Feiertag fällt, wie z. B. im Jahr 2008 auf Pfingstsonntag. Zum nächsten Mal fallen Pfingstsonntag und Muttertag im Jahr 2035 auf einen Tag.