An einem Fahrrad gibt es eine Vielzahl an Schrauben, für die man noch immer unterschiedliche Werkzeuge benötigt. Ein Minitool gehört darum bei versierten Radfahrern bereits zur Standardausrüstung und hilft bei kleinen Reparaturen. Stehen aber größere Arbeiten an, braucht es das Werkzeug der Spezialisten.

Vorbereitung für den Urlaub

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Jeder Radfahrer sollte ein Grundverständnis davon haben, wie sein Rad funktioniert, um es warten zu können.

1. Reifenheber-Set

Reifenspezialist Michael Kull: „Der Reifenheber ist ein meist unterschätzter, aber durchaus praktischer Helfer. Egal, ob man einen oder mehrere Reifen zum Wechseln hat: Ein robustes Set hilft, den Reifen problemlos von der Felge zu bekommen – in der Werkstatt oder auf Tour. Das schont den Reifen und insbesondere die Hände. Ein Must-have für jeden Fahrradfahrer.“

2. Innensechskantschlüssel

Sascha Hoffmann, erfahrener Schrauber bei einem Kinderradhersteller: „Ein Set an Innensechskantschlüsseln gehört in jeden guten Werkzeugkasten. Lenkerklemmung, Flaschenhalterungen oder Sattelstützen sind in den meisten Fällen mit einer Innensechskant fixiert. Auch Felgenbremsen bei Kinderrädern können damit nachgezogen und justiert werden. Mit einem Set in den Größen von zwei bis zehn Millimetern kommt man beim Fahrradschrauben in der Regel gut über die Runden. Als Profitipp: Ein buntes Set benutzen. Dann findet man schneller die passende Größe und greift nicht daneben.“

3. Ypsilon-Schlüssel für Innensechsrund

Rodger Pogson-Manning, zuständig für Qualitätssicherung bei einem E-Bike-Hersteller: „Gerade wenn man viel an hochwertigen Rädern und Scheibenbremsen arbeitet, gehören Torx-Schrauben mittlerweile zum täglichen Brot. Offiziell heißen sie zwar Innensechsrund, aber Torx ist geläufiger. Die Schrauben vertragen mehr Drehmoment, halten länger als Inbus und haben auch bei einem flachen Schraubenkopf keine Stabilitätseinbußen. Kein Wunder, dass bei immer mehr Komponenten Torx-Schrauben zu finden sind. Mit einem dreiarmigen Schlüssel ist man für die wichtigen Größen T10, T15 und T25 perfekt ausgestattet. Dazu liegt der Schlüssel ergonomisch gut in der Hand.“

4. Drehmomentschlüssel

Marc Jersch, Technical Product Manager bei einem Fahrradhersteller: „Nach fest kommt bekanntlich ab – und dann ganz viel Arbeit. Um unabsichtliche Schraubenabrisse und, noch schlimmer, Schädigungen durch zu viel Schraubkraft an Leichtbauteilen aus Carbon oder Aluminium zu vermeiden, werden an immer mehr Bauteilen anzuwendende Drehmomente angegeben. Auch Profis haben das nicht einfach ‚in der Hand‘. Deshalb gehört ein Drehmomentschlüssel zur Standardausrüstung. Den gewünschten Wert einstellen und der Schlüssel meldet, wenn es passt. Das Werkzeug ist zwar ein kleines Investment, verhindert aber langfristig Defekte.“

5. Kettenpeitsche

Techniker Carsten Wollenhaupt: „Kettenpeitsche klingt erst mal witzig und manch einer wird sich darunter etwas anderes vorstellen. Ihr wahrer Einsatzort ist das Hinterrad, genauer gesagt: das Ritzelpaket. Mit der Kettenpeitsche hält man die Kassette fest, damit man ihren Verschlussring am Freilaufkörper aufschrauben kann. Ohne sie wäre das unmöglich, denn gegen den Uhrzeigersinn wird der Freilauf aktiv und dreht die Kassette auf der Nabe. Ein wichtiges Werkzeug, wenn man seinen MTB-Antrieb beispielsweise auf unser Eagle-Zwölffach-System umrüsten möchte.“

Frau mit E-Bike streckt Arme in die Luft und freut sich

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Für die Freude am Radfahren ist ein funktionstüchtiges Rad ein Muss - wenn man wieß, wie man es repariert.

6. Kettennieter

Vielfahrer Stefan Stiener, der auch Geschäftsführer bei einem Reiseradhersteller ist: „Ketten verschleißen ja bekanntlich, sie müssen also ab und an getauscht werden. Um die Kette an das Rad anzupassen, muss man sie meist kürzen – dafür braucht man einen Kettennieter. Mit dem Werkzeug lassen sich die Kettenbolzen hinein oder heraus schieben. Auch ein Kettenriss unterwegs ist so wieder zu reparieren. Das kleine Werkzeug findet sich darum an vielen größeren Minitools, aber auch einzeln. Die Arbeit sollte allerdings mit großer Umsicht und am besten hochwertigem Werkzeug durchgeführt werden.“

7. Nippelspanner

Laufradbauer und Mechaniker Dr. Kai-Henrik Günther: „Bei mir als Laufradbauer ist der Nippelspanner im täglichen Einsatz. Mit seiner Hilfe kann ich die Vorspannung einer Fahrradspeiche durch Drehen am Speichennippel erhöhen bzw. verringern. So stelle ich beim Neueinspeichen die richtige Spannung im ganzen Rad her und kann auch Achter wieder zentrieren. Bei der Arbeit muss man immer darauf achten, langsam und gleichmäßig zu schrauben. Und auch das Werkzeug muss über die Präzision verfügen, die das Rad am Ende haben soll. Schlechte Nippelspanner zerstören ab einer gewissen Vorspannung die Speichennippel, was die Arbeit schnell beendet.“

8. Spritze

Servicetechniker André Effe: „Einmal im Jahr muss man bei unserer Zentralgetriebeschaltung einen Ölwechsel durchführen. Das geht völlig problemlos in der heimischen Werkstatt. Im Set mit dem neuen Getriebeöl ist eine Spritze enthalten. Der Adapterschlauch wird an Spritze und Ölablassöffnung befestigt und durch Aufziehen der Spritze das Altöl schnell und sauber aus dem Getriebe gesaugt. Der Vorgang wird mit dem neuen Öl einfach in die andere Richtung wiederholt, bis die kompletten 60 Milliliter wieder im Getriebe sind. Durch die Spritze und den Adapter ist das ein sauberer und tropffreier Vorgang.“
Das Altöl muss übrigens im Wertstoffhof entsorgt und nur das original Getriebeöl verwendet werden.

9. Pedalschlüssel

Mountainbike-Guide und Mechaniker Johannes Schilder: „Wenn man viel mit dem Rad unterwegs ist, müssen oft die Pedale abgeschraubt werden. Damit das möglichst schnell geht, freue ich mich jedesmal über meinen Pedalschlüssel. Ab- und wieder angeschraubt in nicht mal einer Minute. Einzig die unterschiedlichen Pedalgewinderichtungen gilt es zu beachten. Für Radfahrer, die ihr Rad oft verpacken, ist der Pedalschlüssel definitiv zu empfehlen. Und nach getaner Arbeit kann man sich damit noch das Feierabendbier öffnen.“

10. Smartphone

Frank Schneider vom Technical Support bei einem Riemenhersteller, er auch Reparatur-Anleitungen über Youtube zur Verfügung stellt: „Einmal richtig eingestellt, muss an einem Riemenantrieb fast nichts mehr nachjustiert werden. Der Riemen erfährt im Gegensatz zur Kette keine Längung. Mein Werkzeug ist deshalb das Smartphone: Wenn ich mir bei der Riemenspannung unsicher bin, kann ich sie per App kontrollieren. Einfach das Mikrophon an den Riemen halten, App starten und den Riemen wie eine Gitarrensaite zupfen. Das Ergebnis kann ich dann mit einer hinterlegten Tabelle abgleichen.“