Jährlich am 8. März wird der Internationale Frauentag begangen, er ist auch unter der Bezeichnung Weltfrauentag bekannt. Im Mittelpunkt steht dabei seit inzwischen über 100 Jahren die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Der Tag soll weltweit auf Themen und Probleme von Frauen aufmerksam machen.

Seit es die Frauenbewegung gibt, nimmt sie die Gleichberechtigung von Mann und Frau zum Thema, um auf Defizite innerhalb der Gesellschaft hinzuweisen. Angefangen mit dem Kampf für das Frauenwahlrecht in Amerika und Europa bis hin zu Streiks für das Recht auf Abtreibung, Widerstand gegen Sexismus, Diskriminierung und Gewalt. Gesundheitstipps für Frauen zum Weltfrauentag haben wir hier für Sie zusammengefasst!

Ein Feiertag nicht nur für Frauen

Berlin hat den Weltfrauentag 2019 als erstes Bundesland zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Er wird aber auf der ganzen Welt gefeiert.In 26 Ländern haben Beschäftigte am Frauentag arbeitsfrei.

Beispielsweise in Russland: Dort ist er einer der wichtigsten Termine im Jahr. In einer Mischung aus Valentinstag und Muttertag werden in Russland heute nicht nur Ehefrauen und Mütter, sondern auch Arbeitskolleginnen mit Pralinen, Parfüm und Schmuck bedacht. Wie in Madagaskar und Nepal ist in China der 8. März ein Feiertag nur für Frauen. In chinesischen Staatsbetrieben bekommen sie häufig den halben Tag frei, manchmal verteilen die Unternehmen auch kleine Aufmerksamkeiten.

Und während der Frauentag in Deutschland und Polen mit roten Nelken verbunden wird, verteilen Italiener am 8. März meist gelbe Mimosen an Frauen. Diese gelten seit den Widerstandskämpfen während der Herrschaft der Faschisten als Zeichen für die Befreiung der Frauen von männlicher Unterdrückung.

Woher kommt die Idee für einen Frauentag?

Ursprünglich entstand der Internationale Frauentag aus einer Initiative mehrerer sozialistischer Organisationen in den USA. Die Sozialistische Partei Amerikas gründete 1908 ein Nationales Frauenkomitee, das sich für das Wahlrecht für Frauen einsetzen sollte. Dieser Tag, der auf den 28. Februar 1909 fiel, war ein großer Erfolg, da sich der Aktion auch bürgerliche Frauenrechtlerinnen anschlossen.

Diese Idee griff auch die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf und trug die Forderung nach einem Wahlrecht für Frauen 1910 bei der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz vor. Es folgte ein erster Frauentag in Europa, der am 19. März 1911 in Dänemark, der Schweiz, Österreich-Ungarn und auch Deutschland begangen wurde. Als die provisorische Reichsregierung nach dem Krieg 1918 ein Wahlrecht für Frauen und Männer ab 20 Jahren einführte, erschien der Weltfrauentag zunächst nicht mehr relevant.

Allerdings gewann er in sozialistischen Kreisen weiter an Bedeutung. Schließlich legte die 2. Internationale Konferenz kommunistischer Frauen 1921 den 8. März als festes Datum für den Frauentag fest - an diesem Tag hatten Bäuerinnen, Arbeiter- und Soldatenfrauen durch ihren Streik 1917 in Sankt Petersburg die russische Februarrevolution ausgelöst. Nach einem Verbot der Nationalsozialisten gewann der Weltfrauentag in den 1960er-Jahren mit der neuen Frauenbewegung wieder stark an Bedeutung.

Blumen als Geschenk

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In vielen Ländern ist der Frauentag so wie bei uns der Muttertag ein Tag, an dem Frauen Geschenke bekommen - und zwar egal, ob sie Mütter sind oder nicht!

Frau und Beruf

„Hier stand jetzt die Gleichberechtigung von Frau und Mann verstärkt im Mittelpunkt“, erzählt Petra Timm vom Personaldienstleister Randstad. „Frauen gingen auf die Straße und protestierten zum Beispiel für das Recht auf legale Abtreibung, gegen Gewalt an Frauen und für die Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik. Der 8. März steht symbolisch für den weltweiten Kampf der Frauen um ihre Rechte und soll ihr Engagement gegen Diskriminierung, Gewalt und Krieg würdigen.“

Dass der Weltfrauentag weiterhin seine Berechtigung hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Noch immer erzielen Frauen in Deutschland im Schnitt 40-45 Prozent (Ost und West) weniger Erwerbseinkommen als Männer. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität (FU) Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Weibliche Fachkraft für Metalltechnik der Fachrichtung Umform- und Drahttechnik

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Frauen in Berufen, die früher eher Männerdomänen waren, sind keine Seltenheit mehr - zum Glück!

Gleichberechtigung ist Gesetz

1949 kam der Gleichberechtigungsartikel ins Grundgesetz. Der Kampf um den Artikel 3 war lang und aufreibend, die praktische Umsetzung dauert bis heute an. Nach dem aktuellen Global Gender Gap 2020 des Weltwirtschaftsforums rangiert Deutschland in puncto Gleichberechtigung seit 2007 erstmals wieder auf Platz 10. Dies zeigt aber auch, dass die Bemühungen fortgeführt werden müssen.

„Das Frauenbild hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts stark verändert“, fährt Petra Timm fort. „Ob als Pilotin, bei der Bundespolizei oder seit 2001 auch in der Bundeswehr: Frauen stehen mittlerweile die gleichen Berufswege offen wie Männern. Damit bereits Mädchen in typische Männerberufe hineinschnuppern können, gibt es seit 2006 den GirlsDay, bei dem jährlich bundesweit Unternehmen ihre Türen öffnen, um junge Frauen für mädchenuntypische Beruf zu begeistern.“
Mehr zum Thema GirlsDay lesen Sie hier (es gibt auch einen BoysDay!).

Aufgrund der Corona-Krise werden Angebote zum Zukunftstag für Mädchen 2021 vor Ort mit entsprechendem Hygienekonzept wie auch digital ermöglicht.

„Die Automatisierung wirkt sich besonders stark auf Bereiche aus, die traditionell von Frauen besetzt sind. Außerdem sind weibliche Beschäftigte in den MINT-Berufen nach wie vor unterrepräsentiert“, sagt Petra Timm. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Hinzu kommt, dass hierzulande der Anteil der Frauen in der Forschung bei lediglich 16 Prozent liegt. Mehr über die Ausbildung in MINT-Berufen erfahren Sie hier.

Dabei haben Untersuchungen großer Wirtschaftsberatungen längst bestätigt, dass sich ein höherer Frauenanteil in Unternehmen positiv bemerkbar macht. Petra Timm: „Je vielfältiger ein Betrieb aufgestellt ist, desto ideenreicher und kreativer ist er, was wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen kann.“

Für den Abbau von Rollenklischees setzt sich auch die "Initiative Klischeefrei" ein. Schließlich herrscht in vielen Bereichen Fachkräftemangel und es werden dringend Leute gebraucht - egal, welchen Geschlechts. Hier lesen Sie mehr darüber.

Ältere Referentin teilt ihr wissen auf Vortrag

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Frauen in Führungspositionen tragen zur Vielfalt in den Unternehmen bei.

Die Chefetagen werden weiblicher

Die deutsche Wirtschaft hat mehr weibliche Chefs. 78 Frauen arbeiten mittlerweile in den Vorständen der 160 größten börsennotierten Unternehmen. Allerdings bedeutet das auch nur eine Quote von lediglich 11,5 Prozent und in 60 Prozent aller DAX-dotierten Unternehmen befindet sich bis heute keine einzige Frau im Vorstand. Dies hat die aktuelle Auswertung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma Ernst & Young ergeben.

Trotz der steigenden Zahlen sind Frauen in Führungsetagen immer noch eine Seltenheit. Daher ist der Internationale Frauentag am 8. März für Arbeitgeber ein guter Zeitpunkt, um den eigenen Umgang mit weiblichen Angestellten in puncto Aufstiegschancen auf den Prüfstand zu stellen. Denn Unternehmen kommen in Zukunft nicht mehr am Potenzial der weiblichen Beschäftigten vorbei. „Junge Frauen sind gut qualifiziert, leistungsstark und karriereorientiert“, sagt Petra Timm. „Sie stellen über die Hälfte der Hochschulabsolventen und damit die Mehrheit des potenziellen Fach- und Führungskräftenachwuchses.“

Arbeitgeber, die dies erkennen und sich auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen einstellen, haben gute Chancen, dem wachsenden Fachkräftemangel zu begegnen. Dazu gehören etwa flexible Arbeitsbedingungen und die Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Petra Timm: „Gute Rahmenbedingungen verbessern sowohl das Image des Unternehmens als auch die Motivation der Mitarbeiter nachhaltig, denn sie können gezielter auf unterschiedliches Arbeitsaufkommen reagieren und Projekte deutlich besser planen.“ Gleichzeitig führen moderne Arbeitsplatzmodelle zu einer messbaren Produktivitätssteigerung.

Rollenklischees für bestimmte Berufe vermeiden und so Fachkräfte sichern

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Jenseits von Rollenklischees: Frauen müssen sich längst nicht mehr hinter ihren männlichen Kollegen verstecken.

Zeit für neue Arbeitsmodelle, die besser auf Frauen zugeschnitten sind

Seit seiner Einführung hat der Weltfrauentag zweifelsohne an Bedeutung zugenommen, denn in Deutschland sind längst nicht alle Barrieren beseitigt: Frauen fühlen sich im Job oft benachteiligt, verdienen immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Und von Altersarmut sind vor allem Frauen bedroht, die sich um die Erziehung der Kinder gekümmert haben.

Kein Wunder, dass zum Frauentag immer mehr über alternative und flexible Arbeitsplatzmodelle diskutiert wird. „Unternehmer, die in ihrer strategischen Planung die Bedürfnisse von Müttern stärker berücksichtigen, können punkten. Im Handwerksbereich ist bereits eine Vielzahl derart familienorientierter Betriebe zu finden“, so Petra Timm. Sowohl dem Unternehmen als auch den Mitarbeitern eröffnen sich gleichermaßen große Chancen, wenn die Arbeitsbedingungen an die Erfordernisse der Beschäftigten angepasst werden. Immerhin gibt es jetzt die Möglichkeit der Teilzeitausbildung, ein Schritt in die richtige Richtung.

Diese Flexibilität fällt Unternehmern heute leichter denn je, denn fachlich müssen sich Frauen schon lange nicht mehr hinter ihren männlichen Kollegen verstecken. In einem Berufszweig mit starkem Männer­überschuss können weibliche Beschäftigte mit Kompetenz und Fachwissen überzeugen. Dadurch gelingen Berufsstart oder Wiedereinstieg - auch in einem typischen "Männerberuf".