Anders als im Rheinland beginnt die närrische Zeit in vielen Orten Baden-Württembergs nicht am 11.11., sondern mit dem Dreikönigstag. Rund um diesen Tag kündigen die Narren die Fasnet mit Lärmumzügen, Peitschenknallen, Ratschen und Kleppern an.

Die Schellenteufel in Weil der Stadt taufen ihren Nachwuchs und in Rottweil gehen die Abstauber von Haus zu Haus, um die bunten Narrenkleider und Holzmasken zu entstauben. Dort gehört die Fasnet zu den ältesten und traditionellsten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

Narrentreffen in Bad Canstatt

kuelcue/iStock/Getty Images Plus

Die traditionellen Holzmasken stellen Hexen, Teufel und dämonische Wesen dar.

Verschiedene Bräuche in unterschiedlichen Orten

Richtig in Fahrt kommt die fünfte Jahreszeit dann am Abend vor dem „Schmotzigen“ (=fetten) Donnerstag: In Aulendorf gibt es eine närrische Maskenbeschwörung und in Immendingen werden Klepperleswettbewerbe veranstaltet. Mit dem Aufstellen von Narrensymbolen errichten die Fasnetnarren vielerorts unübersehbar ihr Reich für die folgenden tollen Tage bis Aschermittwoch.

Am Schmotzigen Donnerstag selbst ziehen früh um fünf die „Hemdglonker“ lärmend durch die Straßen. In Nachthemden gehüllt und von Fanfaren begleitet wecken sie die Bewohner aus dem Schlaf und leiten die Fasnet ein. Die Machtübernahme „von Amtswegen“ findet mit dem Stürmen der Rathäuser statt und der „Narrensamen“, die Kinder werden aus den Schulen in die Freiheit entlassen. In Elzach rüsten sich die kleinen „Schuttige“ im roten Fransenhäs zum Narrenlauf.

Mit dem Setzen des Narrenbaums erhält die Fasnet ihr Standeszeichen, unter dem sie offiziell ausgerufen wird. Für einige Orte im Neckarraum – etwa Rottweil, Villingen und Elzach– geht’s am Fastnachtssonntag richtig los. Die historischen Kostüme der Rottweiler Narren dürfen laut Zunftordnung aber erst tagsdrauf gezeigt und bewundert werden.

Fasnacht in Rottweil

MarcQuebec/iStock/Getty Images Plus

Traditionelle Umzüge locken viele Besucher aus der ganzen Welt an und sind mittlerweile wahre Touristenmagnete geworden.

Umzüge auf den Straßen

Ihren Höhepunkt erlebt die Fasnet im Südwesten am Fasnetmontag (dem rheinischen Rosenmontag). Jetzt bevölkern die bunten Hästräger die Straßen, es finden Umzüge statt und die spektakulären „Narrensprünge“ - etwa in Rottweil, Schömberg oder Weil der Stadt - ziehen zahlreiche Besucher an. Die traditionellen Rottweiler Maskenträger durchwandern mit genau verteilten Rollen den ganzen Tag über die Stadt und sagen im Schutz der Vermummung so manchen Personen allerlei Wahrheiten auf. In Schramberg besteigen die Narren Wäschezuber und fahren auf der Schiltach „Da Bach nah“, andernorts werden Fastnachtsspiele und Rügegerichte inszeniert.

An Fasnet sind die Hexen los

Manu1174/E+/Getty Images

Die Fratzen der Hexen wirken amüsant, können - und sollen - aber auch erschreckende Momente hervorrufen.

Am Fastnachtsdienstag finden Umzüge und Narrensprünge ihre Fortsetzung - bis zum Abend. Dann heißt es Abschied nehmen und symbolisch wird die Fasnet in Form einer Strohpuppe unter großer Anteilnahme und lautem Klagen verbrannt oder beerdigt (Zell am Harmersbach).

Am Aschermittwoch ist alles vorbei – fast, denn jetzt heißt es Bilanz ziehen und Geldbeutel waschen, die närrischen Tage, geprägt von Schlemmen, Trinken und fröhlichem Feiern haben die Beutel geleert. Da bleibt nur noch die Rückgabe des Rathausschlüssels an den ordentlichen Amtsinhaber und Fasten– 40 Tage lang bis Ostern.

Fasching, Fasent, Fastnacht - 10 Tipps gegen Kater

► Fasching trotz Corona - so klappt's auch daheim