Städte sowie kleine Städtchen und Gemeinden, Freizeitmöglichkeiten im und am Wasser, aber ebenso in der umliegenden Natur locken Ausflugsgäste und Touristen in die Kurpfalz – die Region im Norden Baden-Württembergs, in der Neckar und Rhein zusammenfließen.

Der Name Neckar geht auf keltische Wurzeln zurück und bedeutet so viel wie „wildes Wasser“, „böser Fluss“ oder „wilder Geselle“. Der untere Teil wurde bereits im ersten Jahrhundert nach Christus von den Römern benutzt, vermutlich um Baumaterial für den Limes, die ehemalige Grenze des römischen Reichs, oder Proviant zu transportieren. Seit dem Mittelalter war der Fluss für den Holzhandel eine wichtige Wasserstraße. Flößer konnten ihre Stämme vom Schwarzwald über den Neckar, zum Rhein und somit bis nach Holland befördern.

Schifffahrt an Ketten

Zwischen 1841 und 1871 verbanden Dampfschiffe die Städte Heilbronn und Mannheim. Diese wurden später von der Kettenschifffahrt ersetzt, bei der Dampfschiffe mehrere Schleppkähne entlang einer im Neckar verlegten Kette flussaufwärts zogen. In den 1920er Jahren begann die motorisierte Güterschifffahrt. Bis 1968 wurde der Fluss sukzessive zur Großschifffahrtsstraße aufgebaut, was den Bau von Staustufen und Schleusen einschloss.

Kettenschifffahrt auf dem Neckar

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In früheren Zeiten wurden die Schiffe an Ketten den Neckar hinaufgezogen.

Romantischer Abschnitt

Zwischen der Burg Hornberg bei Mosbach und Heidelberg liegt der romantischste Teil des Flusses.  Auf diesem Abschnitt, wo sich der Neckar tief in den Buntsandstein eingegraben hat, war 1878 der amerikanische Schriftsteller Mark Twain mit dem Floß unterwegs gewesen. „Die ganze Strecke hin standen auf den überhängenden Klippen und Felsen zerstörte Burgen; man sagte, es gäbe Sagen um sie gerade wie um die am Rhein“, schrieb Twain damals. Und tatsächlich säumen einige Ruinen den Fluss, die heute einen Teil der Deutschen Burgenstraße repräsentieren.

Burg Hornberg über dem Neckar

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Burg Hornberg bei Neckarzimmern thront hoch über dem Fluss.

Den Neckar entlang

Das Neckartal lässt sich von Bad Wimpfen bis Heidelberg in neun Etappen erwandern. Auf dem rund 127 Kilometer langen Neckarsteig zeigt sich das Flusstal von seinen schönsten Seiten. Neben der Landschaft, die von Wäldern, Wiesen, Bergen, Tälern und dem Fluss geprägt wird, finden sich an der Strecke des Fernwanderwegs auch viele Sehenswürdigkeiten.

Die ehemalige Stauferstadt Eberbach liegt an einer der schönsten Stellen am Neckar. In der historischen Altstadt finden sich neben den vier Stadttürmen zahlreiche Fachwerkhäuser sowie Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Einige Kilometer flussabwärts entdecken Reisende die Burgfeste Dilsberg, ein Stadtteil von Neckargemünd, der hoch oben auf einem Berg thront. In Neckargemünd selbst, das malerisch am Fluss liegt, sind noch das alte Stadttor und mehrere Fachwerkhäuser erhalten.

Neckarschleuse

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Auf seinem Weg in Richtung Rhein wird der Neckar immer wieder durch Staustufen unterbrochen.

Hackteufel bei Heidelberg

Nach wenigen Kilometern erreicht der Neckar die romantische Universitätsstadt Heidelberg. Zuvor müssen Schiffe jedoch den Hackteufel passieren, eine bei Neckarschiffern gefürchtete Felsenbank zwischen Neckarschleuse und Alter Brücke. Vom Fluss aus ist die berühmteste Ruine der Welt, das Schloss der pfälzischen Kurfürsten zu entdecken, welches malerisch über Stadt thront.

Skulptur von Vater Rhein beim Schloss Heidelberg

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Als Flussgott findet sich "Vater Rhein" auch im Heidelberg Schlossgarten wieder.

Wichtige Verkehrsader

In Mannheim, genauer gesagt bei der Friesenheimer Insel, gegenüber des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, mündet der „wilde Geselle“ an einer wenig romantischen Stelle in den Rhein.

Wie auch der Neckar diente der Rhein schon den Römern als wichtige Wasserstraße und Verkehrsader. Sie nutzten ihn zum Transport von Waren, aber auch für Patrouillenfahrten mit schnellen Booten. Seinen Namen erhielt der Fluss von den Kelten, die ihn auf Basis der Wurzel des Wortes „rinnen“ Rhenus nannten. Daraus wurde bei den Römern der Flussgott Rhenus Pater („Vater Rhein“), quasi die Personifikation des Rheins.

Hafen in Mannheim

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Der Mannheimer Hafen ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands.

In Mannheim liegt einer der bedeutendsten Binnenhäfen Europas, der zweitgrößte in Deutschland. Dieser entstand im 19. Jahrhundert zwischen Rhein und Neckar und wird heute durch Anlagen an einem Altrheinarm, den sogenannten Bonadieshafen ergänzt.

Video von 1955: Impressionen vom Mannheimer Hafen (ohne Ton)

Fruchtbares Land

Die Rheinebene zwischen Mannheim und Karlsruhe ist geprägt von Feldern und Wäldern. Hier gedeihen Sonderkulturen wie Spargel und Tabak, früher auch Hopfen. Der Spargel sorgt von Mai bis Mitte Juni für besondere Gaumenfreuden. Entlang der Badischen Spargelstraße, die in Schwetzingen beginnt, können sich Reisende auf die Spur des "königlichen Gemüses" begeben.

Aus krumm mach gerade - die Rheinkorrektur

Zwischen 1817 und 1876 wurde nach Plänen des badischen Ingenieurs Johann Gottfried Tulla die Begradigung des Oberrheins durchgeführt. Die künstliche Verkürzung des Flusses, der sich seit der Eiszeit eingegraben und an seinem mäandernden Verlauf steile Ufer geschaffen hatte, war die Voraussetzung für die Schiffbarmachung von Mannheim bis Basel.

Luftbild des Rheins und seiner Seitenarme

Dirk Brünner

Der Rhein von oben und seine Seitenarme, die den Verlauf vor der Begradigung verdeutlichen.

Infolge dieser Korrektur blieben von Mannheim flussaufwärts mehrere Altrheinarme übrig. Daneben entstanden später zahlreiche Kiesgruben, aus denen der begehrte Baustoff gewonnen wurde. Diese sind heute als Baggerseen beliebte Freizeit- und Naherholungsziele. Hier finden vor allem in den Sommermonaten Wassersport begeisterte, wie Surfer, Taucher, Segler oder Kanuten, sowie Erholungsuchende Action und Entspannung im und am Wasser.

Unterwegs an Neckar und Rhein: 7 Orte zwischen Felsen, Bäumen und Wasser

Der Neckar bei Neckarsteinach

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Der Fluss bei Neckarsteinach. Im Hintergrund sind die vier Burgen zu erkennen.

Wild-romantisch: Zwingenberg

Die Wolfschlucht ist ein Einschnitt im Buntsandstein, der durch das Schlossbächlein auf seinem Weg zum Neckar geschaffen wurde. Carl Maria von Weber soll von dem wild-romantischen Tal zu seiner Oper „Der Freischütz“ inspiriert worden sein. Die von großen Felsbrocken, umgestürzten Bäumen und fallendem Wasser geprägte Schlucht ist beliebt bei Wanderern. Im Schloss Zwingenberg finden jährlich die Freilichtspiele statt, deren Hauptstück jeweils „Der Freischütz“ ist.

In der wild-romantischen Wolfschlucht

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Die unwegsame Wolfschlucht ist nur was für geübte Wanderer.

Vier Burgen: Neckarsteinach

Die Vierburgenstadt findet sich idyllisch gelegen am Hang des nördlichen Neckarufers. Hier wurden zwischen 1100 und 1230 die Burgen Schadeck, Hinterburg, Mittelburg und Vorderburg erbaut. Burg Schadeck – wegen ihrer Lage auf einem steil abfallenden Bergsporn auch Schwalbennest genannt - sowie die Hinterburg können besichtigt werden. Ihre Türme gewähren beeindruckende Ausblicke auf das Neckartal und die gegenüberliegende Burgfeste Dilsberg.

Die Hinterburg bei Neckarsteinach

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Vom Turm der Hinterburg bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die Neckarschleife.

Malerisch: Dilsberg

Der Stadtteil von Neckargemünd liegt auf einer Bergkuppe, die von einer Neckarschleife umflossen wird. Geprägt wird er von der Burgfeste aus dem 12. Jahrhundert. Erhalten sind unter anderem der Bergfried, Teile der Ringmauer, das Kommandantenhaus sowie das Stadttor. Innerhalb des Areals finden sich zudem viele historische Wohngebäude. Eine Besonderheit ist der rund 80 Meter lange Stollen, der zur Belüftung des Brunnenschachts diente.

Bergfeste Dilsberg über der Neckarschleife

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Die Bergfeste Dilsberg über der Neckarschleife ist von den vier Burgen aus gut zu sehen.

Römermetropole: Ladenburg

Bereits im Jahr 98 erhob der römische Kaiser Trajan die Siedlung Lopodunum zur Stadt. Damit ist Ladenburg die älteste rechtsrheinische Stadt Deutschlands. Die gesamte Altstadt ist denkmalgeschützt und weist zahlreiche Gebäude aus dem 15. bis ins 18. Jahrhundert auf. Erhalten sind beispielsweise mehrere mittelalterliche Türme sowie die äußere Stadtmauer. Bekannt ist Ladenburg auch als Wirkungsstätte des Automobilpioniers Carl Benz.

Altstadt von Ladenburg aus der Luft

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Die historische Altstadt von Ladenburg

Ab auf die Insel: Brühl

Die Kollerinsel, eine Binnenhalbinsel, ist 1833 durch die Begradigung des Rheins entstanden. Über eine Auto- und Personenfähre ist sie von Brühl aus von März bis Oktober erreichbar. Am südlich gelegenen Kollersee, einem früheren Baggersee mit Verbindung zum Altrheinarm, haben mehrere Segelclubs ihr Domizil. Weitere Freizeit- und Naherholungseinrichtungen, wie eine Liegewiese für Badegäste sowie ein Campingplatz, sind ebenfalls hier zu finden. Kanus und Kajaks können vor Ort gemietet werden.

Kollersee bei Brühl

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Der Kollersee lockt im Sommer Fans verschiedener Wassersportarten an.

Natur pur: Ketsch

Als Teil des Rheinauenwaldes wurde die Ketscher Rheininsel 1950 zum Naturschutzgebiet erhoben. Sie grenzt im Westen direkt an den Rhein; die ehemalige Rheinschleife bildet die östliche Begrenzung. Die Insel, die erst im Zuge der Rheinkorrektion um 1833 entstand, ist nur über eine Holzbrücke zu erreichen. Geprägt wird die Landschaft von urwaldartigen Auen, feuchten Schluten (Hochwasserrinnen) sowie verschiedenen Wiesengesellschaften. Mit dem Ketscher Backfischfest findet hier jedes Jahr im August eines der größten Volksfeste in Nordbaden statt.

Naturschutzgebiet Ketscher Rheininsel

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Die Insel bei Ketsch entstand im Zuge der Rheinbegradigung.

Rennstadt am Rhein: Hockenheim

Durch den 1932 eröffneten Hockenheimring erlangte die Stadt internationale Berühmtheit. Bis 2019 wurden hier auch Formel-1-Rennen ausgetragen. Weniger bekannt ist, dass Hockenheims Gemarkung bis an den Rhein reicht. Westlich der Kernstadt erstreckt sich das Naturschutzgebiet Hockenheimer Rheinbogen mit Feuchtbiotopen, Wassergräben, Röhrichten, Wiesen, Hecken und Wäldern. Hier sind zahlreiche seltene Pflanzen-, Insekten-, Amphibien- und Vogelarten heimisch.

Luftbild Rennstrecke

Hockenheimring

Der Hockenheimring war bis 2019 Austragungsort von Formel-1-Rennen.